Beispiel
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Welches Angebot macht liberale Bildungspolitik heute? Auf welche Probleme antwortet sie? Auf welche Traditionen beruft sie sich? Und welche Bausteine braucht die Vision einer liberalen Bildungsgesellschaft? Vier Fragen im Zusammenhang mit dem Jahresthema der Friedrich-Naumann-Stipendiaten.
Wie wichtig Bildung als Mittel der sozialen Integration gerade für ausländische Jugendliche ist, darauf haben Caritas, Körber-Stiftung und Klaus Haupt von der FDP-Bundestagsfraktion am 17. Februar hingewiesen. Haupt ging dabei besonders auf die frühkindliche Bildung und auf die Bedeutung von Deutsch-Kenntnissen ein:
"Die Erkenntnisse der Körber-Stiftung und des Caritasverbandes bestätigen die Auffassung des umfassenden Integrationskonzeptes der FDP-Bundestagsfraktion: Die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist zugleich Herausforderung und Chance. Diese jungen Menschen können Brücken und Vermittler zwischen den Kulturen bilden. Sie dürfen nicht stets als Problemfälle behandelt, sondern müssen in ihren Stärken gefördert werden. In Deutschland gelingt es bisher kaum, Benachteiligungen aufgrund der sozialen Herkunft auszugleichen. Bildung, besonders im Hinblick auf das Beherrschen der deutschen Sprache, ist der entscheidende Faktor für die Chancengerechtigkeit. Besonders die Kindertagesbetreuung kann und muss daher Integration fördern. Die Gesellschaft kann es sich nicht leisten, die Potentiale junger Menschen mit Migrationshintergrund zu verschwenden. Dramatische Einzelschicksale und hohe Kosten für die Gesellschaft ergeben sich, wenn Familien und staatliche Instanzen Fehlentwicklungen nicht verhindern. Die Folgen können sein, dass Kinder und Jugendliche in Sozialhilfekarrieren oder gar Delinquenz münden und Integration verhindert wird.
Im Sinne der Chancengleichheit und aufgrund pädagogischer Erkenntnisse muss gerade frühkindliche Bildung und nicht erst die schulische Bildung kostenfrei sein, um Hemmschwellen bei Migrantenfamilien zu senken. Es muss künftig aber auch gelingen, Kinder, die erst im Schulalter nach Deutschland kommen, in den Bildungsprozess zu integrieren. Jüngere Kinder müssen mit guten Deutschkenntnissen ins Schulleben starten. Dazu werden nach dem Konzept der Liberalen verbindliche Sprachstandserhebungen im Alter von vier oder fünf Jahren eingeführt."
In zwei handlichen Absätzen der "Nationalen Wachstumsstrategie der FDP" ("Wohlstand durch Wachstum") beschreibt die FDP ihre Ziele für die Bildungspolitik (Punkt 11). Motto: Mehr Wettbewerb der Bildungseinrichtungen (Schulen wie Hochschulen) bringt wirtschaftliches Wachstum. Eigentlich alles super simpel!
"Bildungsreform einleiten
Gut ausgebildete junge Menschen sind die Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum. Die FDP will die Qualität des deutschen Bildungswesens verbessern, indem die einzelnen Bildungseinrichtungen in einen Wettbewerb um die beste Ausbildung treten. Das funktioniert aber nur, wenn sie mehr Freiheiten erhalten. Sie brauchen das Recht der Selbstverwaltung, größere Personalautonomie, sowie pädagogische und finanzielle Eigenverantwortung. Einheitliche Qualitätsstandards und Kontrolle durch unabhängige Agenturen garantieren das hohe Niveau der Ausbildung. Das muß für Schulen wie für Hochschulen gelten. Bildung und Wissenschaft müssen in Deutschland wieder in den Vordergrund rücken. Unsere Bildungseinrichtungen müssen Neugierde und Kreativität fördern, zu Leistungsbereitschaft und Eigeninitiative ermuntern, den Teamgeist stärken und ein positives Verständnis für die Grundbedingungen der Marktwirtschaft und die Chancen moderner Technologien vermitteln.
Die FDP fordert die Bundesregierung auf, ihren Widerstand gegen die Einführung von Studienentgelten aufzugeben und sachgerechte Finanzierungskonzept für nachgelagerte Studienentgelte vorzulegen. Wenn Studenten für Bildung zahlen, können sie auch eine gute Leistung verlangen. Wird zugleich die Zentrale Vergabestelle für Studienplätze (ZVS) abgeschafft und können sich die Studierenden ihre Hochschule selbst aussuchen, bekommen sie eine wirkliche Nachfragemacht. Haben auch die Hochschulen das Recht, ihre Studierenden selbst auszuwählen und wird es auch finanziell honoriert, wenn eine Hochschule viele Studenten hat, kommt im Hochschulbereich endlich ein Wettbewerb in Gang und die Qualität der Lehre steigt. Bei diesen Rahmenbedingungen werden alle - Studenten, Hochschulen und Unternehmen, die auf gute und hervorragende Absolventen angewiesen sind - von Studienentgelten profitieren."
Wer ist für die Kinder verantwortlich - der Staat oder die Eltern? Während das liberale Argument der Selbstverantwortung zunächst auf die Eltern verweist - warum sollte der Staat seine Finger schon ans Schaukelpferd kriegen? - stehen die Zeichen der Praxis der FDP-Politik auf staatliche Kinderbetreuung.
Anläßlich der Vorstellung des Nationalen Aktionsplans für ein kindergerechtes Deutschland sagte der jugendpolitische Sprecher und Kinderbeauftragte der FDP-Bundestagsfraktion, Klaus Haupt: "Der Nationale Aktionsplan thematisiert zu Recht die frühkindliche Bildung und Förderung der Kinder in der Kindertagesstättenbetreuung als entscheidend für die Chancengleichheit. Sie ist aber auch Voraussetzung für eine bessere Vereinbarkeit von Familiengründung und Beruf.Es muss ein Ziel in unserer Gesellschaft sein, gerade auch berufstätige und leistungsorientierte junge Menschen zur Familiengründung zu ermutigen." Für die FDP wiederholte er die Forderung auf kostenfreie Kinderbetreuung halbtags im Rahmen des Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz. Hiermit wolle die FDP "die Chancen auf Vereinbarkeit von Beruf und Kindern nachhaltig (...) erhöhen".
Und auch Guido Westerwelle träumt von einer betreuten Kinder-Zukunft, genauer: von einer Allianz zwischen Familien- und Bildungspolitik, wodurch einerseits die Betreuung der drei- bis sechsjährigen Kinder deutlich verbessert wird und andererseits Müttern ermöglicht wird, ihrer Berufstätigkeit nachzugehen. Die frühkindliche Bildung zum Wohl des Kindes biete zweierlei: Chancengerechtigkeit und individuelle Förderung. Und Westerwelle hofft: "Zudem hat sich bis zum Jahr 2030 die Qualität der Erziehung entscheidend verbessert. Sie garantiert damit eine frühkindliche Bildung auf hohem Niveau."
Seit dem 15. Februar Schweigen auch hier... ich bin am Umziehen nach Heidelberg und habe derzeit gerade kaum Internet-Zugang. Selber surfen!
:-)
Seit dem 3. Februar gab's keine neuen Pressemitteilungen zur Bildungspolitik mehr auf dem Portal Liberal - damals stellte Cornelia Pieper fest: "Studienentgelte sind gerecht und dienen der Qualität der Lehre". Dem Vernehmen nach hat sie aber in den letzten Tagen eine Grippe auskuriert. Hoffen wir, dass sie bald mit voller Kraft zurück ist!
"Privatschulen in Deutschland - die liberale Alternative zum öffentlichen Schulsystem", so heißt ein hochkarätig besetztes Seminar, das vom 11.03.2005 bis 13.03.2005 in der Theodor-Heuss-Akademie stattfindet.
Studienleiter Klaus Füßmann schreibt über das Seminar:
"Auch Liberale haben aus der bekannten Formel „Bildung ist Bürgerrecht“ lange Zeit gefolgert, dass das deutsche Schulwesen vor allem ein öffentliches zu sein hat, um Chancengleichheit zu gewährleisten. Spätestens seit den niederschmetternden Ergebnissen der PISA-Studie dürfte aber allen Beteiligten klar sein, dass jahrelang eine gleichmacherische Fehlentwicklung hingenommen wurde, die auch mit dem Ausblenden privater Organisationsformen im Schulwesen zu tun hat.
Das Seminar versucht, die boomende Privatschulentwicklung aus dem pädagogischen, politischen und juristischen Blickwinkel zu beleuchten und will Experten und Praktiker zu Wort kommen lassen, die viele Hinweise zu privaten Organisationsformen und –methoden zur Verbesserung unseres Schulwesens liefern werden."
Als Referenten sind u.a. Axel Hoffmann, stv. Vorsitzender der Naumann-Stiftung, und Ralf Witzel, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion in NRW, vorgesehen. Thematisiert werden zum Beispiel der Beitrag der Reformpädagogik zur Entwicklung eines freien Schulsystems, Kindergarten-Konzepte, die Arbeit des Bundesverbandes Deutscher Privatschulen und der verfassungsrechtliche Anspruch auf Finanzhilfe für die Privatschulen. Hoffentlich mit Konsequenzen: so gibt Referent Martin Strässer praktische und rechtliche Hinweise zu "Gründung und Betrieb einer Schule in freier Trägerschaft", und Ralf Witzel referiert über die "Privatschuloffensive in Nordrhein-Westfalen!"
Programm und Anmeldung hier.
Der Vereinheitlichung der Wettbewerbsbedingungen für Universitäten und Studenten hat auf der europäischen Ebene 1999 mit dem sog. Bologna-Prozess begonnen. Ziel ist, bis zum Jahre 2010 einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Diese Internationalisierung erweist sich als ein Reformschrittmacher für die Entwicklung und Modernisierung des Hochschulwesens.
Nun haben, wahlkampfgerecht in Kiel, Bundesministerin Bulmahn und Landesministerin Erdsiek-Rave den "Nationalen Bologna-Bericht 2004" vorgestellt. Demnach sind mehr als ein Viertel aller Studiengänge in Deutschland bereits auf Bachelor und Master umgestellt. Demnach würden Im Sommersemester 2005 an deutschen Hochschulen mehr als 2.900 Bachelor- und Master-Studiengänge angeboten, das sei mehr als 26 Prozent am gesamten Studienangebot, so die Bundesbildungsministerin weiter.
Nach Auffassung der zwei SPD-Ministerinnen eröffnen der modulare Aufbau des Studiums neue Chancen für alle Beteiligten. Er mache "mit der unseligen Abschlusszentrierung des Studiums Schluss", betonte Erdsiek-Rave. Außerdem rechne sie damit, dass die Abbrecherquote bei den Studenten sinke und sich die Studienzeiten insgesamt verringerten. Der jetzt vorgelegte nationale Bericht dient der Vorbereitung auf die nächste Bologna-Konferenz am 19. und 20. Mai 2005 im norwegischen Bergen.
Zum 200. Todestag ihres Namenspatrons schreibt die Friedrich-Schiller-Universität Jena einen Essay-Wettbewerb für Studierende und Doktoranden aus: Was heißt und zu welchem Ende kann man heute Schiller lesen?
Die Friedrich-Schiller-Universität will von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erfahren, womit Schillers Werk ihr Interesse weckt. Zur Teilnahme sind alle Studierenden und Doktoranden an deutschen Hochschulen eingeladen. Die Beiträge müssen 20.000 bis 30.000 Zeichen (einschließlich Leerzeichen) umfassen.
Täglich eine gute Viertelstunde - mehr ist den 25- bis 45-Jährigen ihre berufliche und allgemeine Weiterbildung nicht wert. Allen Aufforderungen zum lebenslangen Lernen zum Trotz opfern die über 45-Jährigen im Durchschnitt sogar nur wenige Minuten dafür. Das sind Ergebnisse einer Zeit-Studie, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht hat.
Das Informations-Portal zur politischen Bildung - Ein Angebot der Bundeszentrale und der Landeszentralen für politische Bildung
Bildung ist ein deutscher Exportschlager - nicht nur in der Arbeit der politischen Stiftungen, sondern auch in der Arbeit des Goethe-Instituts, durch die Aus- und Fortbildungsangebote der Bildungsbranche und durch deutsche Lehrer, die in anderen Ländern unterrichten. Deutsche Bildung genießt einen guten Ruf.
Das Goethe-Institut besteht aus einem Netzwerk von 144 Instituten in 78 Ländern.
128 Institute im Ausland vermitteln die Kultur, Sprache und allgemeine Information zu Deutschland. An 16 Instituten in Deutschland können Sie Sprachkurse besuchen und Ihre Prüfungen ablegen. Das Goethe-Forum holt Weltkultur nach Deutschland und fördert so die internationale Kulturdebatte. Die Zentralen in München und Bonn koordinieren alle Aufgaben und Bereiche des Netzwerks.
In die Ausweitung von Trainingsangeboten wird offenbar viel Hoffnung gesetzt. Die Beratungsstelle iMOVE, eine Weiterbildungsdatenbank des BMBF, soll dafür sorgen, dass Bildung aus deutschen Landen nicht den Anschluss verpasst. Denn eigentlich genießt sie weltweit einen exzellenten Ruf, ist Christoph Matschie, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, überzeugt: „Training Made in Germany ist ein Qualitätssiegel wie Produkte Made in Germany.“ Mit seiner betriebsnahen Aus- und Weiterbildung verfüge Deutschland über eines der qualitativ hochwertigsten Ausbildungssysteme.
Welchen Unterschied ausländische Lehrer machen können, beweist die Designerin Susanne Kümper, die an der Universität Helwan in Kairo den Studiengang Modedesign aufgebaut hat. "Hauptfach: selbstständiges Denken. Viele ihrer Studentinnen tragen Kopftuch - und oft entwerfen gerade sie die freizügigsten Kreationen, die sie selbst nie tragen werden."
Stipendiat Björn Sjut (Hamburg) ist Projektleiter des Medienstudienführers bei http://www.medienstudienfuehrer.de, über den das Hochschulmagazin UNICUM schrieb: "Wie der Name schon sagt: Diese Site hilft dabei, euch im Dschungel des Studienbereichs "Medien" zurechtzufinden. (...) Ob es um Studiengänge oder Studienorte, die Zulassung oder Berufsbilder geht - dies ist die richtige Adresse. Design und Content preiswürdig! Hinter all dem stecken Studenten aus dem Medienbereich, die irgendwann festgestellt haben, dass der Studienbereich durch die vielen neuen Studiengänge unübersichtlich geworden ist, und mit dieser Site Gleichgesinnten den Überblick erleichtern wollen."
Alt-Stipendiat Jöran Muuß-Merholz (Leiter des FNSt-Büros in Hamburg) beteiligt sich am Management vom "Archiv der Zukunft", einer Initiative von Reinhard Kahl und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Wichtigste Aktion in letzter Zeit: Der Dokumentarfilm "Treibhäuser der Zukunft. Wie in Deutschland Schulen gelingen" wurde am 12.12.2004 in 30 CinemaxX-Kinos in ganz Deutschland aufgeführt - siehe hierzu auch http://www.schulemachen.de. Dafür gab es alleine 3500 Voranmeldungen – nachdem der Film seine liberale Feuertaufe ja ein halbes Jahr früher auf dem Stipendiatenkonvent erfolgreich absolvierte. Aus dem Kino Berlin Hohenschönhausen berichtete Wolf-Dieter Hasenclever, bildungspolitischer Sprecher des BürgerKonvent e. V. und Referent für Bildungspolitik der FDP-Bundestagsfraktion: "Der Film hat einige der anwesenden Lehrer und Lehrerinnen so beeindruckt, dass wir spontan nach der Vorstellung konkrete Initiativen für Lehrerweiterbildungen in Strausberg und Zepernick vereinbart haben."
Stipendiatin Daniela Peterhoff gründet mit drei anderen Studenten verschiedener Universitäten die Internetplattform „IUNE“ (Interuniversitäres Netzwerk der Erwachsenenbildung), die das Ziel verfolgt, Medienkompetenz anhand von netzwerkbasierten Seminaren zu vermitteln. Dies ist Voraussetzung für das weitere Ziel, Studenten der Erwachsenenbildung interuniversitär miteinander zu vernetzen. Ab Sommersemester 2005 werden an den Universitäten Koblenz, Marburg und Frankfurt Online-Seminare angeboten, die durch gelegentliche Präsenzveranstaltungen an den jeweiligen Unis begleitet werden. In diesen Seminaren müssen sich Studenten interuniversitär in Gruppen koordinieren, um gemeinsame Aufgaben auf die Beine zu stellen. Mehr Informationen bei D.Peterhoff@gmx.net.
Aus dem Seminar des AK Bildung „Globalisierung und autonome Entwicklung III: Zukunft der Hochschule“ im Dezember 2004 entstand das Positionspapier „Autonomie, Leistungsanreize und entscheidungsorientierte Strukturen – die Zukunft der Hochschule“ von Matthias Uebelhoer und Matthias Kussin.
Es analysiert zunächst den Druck, unter den die Herstellung, Bereitstellung und Anwendung von Wissen geraten ist – Stichwörter Globalisierung und demographische Entwicklung, die Ausdifferenzierung der Instititutionen und Fachbereiche. Daraus leiten die Autoren die Notwendigkeit der Neuorganisation von Hochschulen ab, konkret im Bereich der Entscheidungskompetenzen der Unis, in der Berufungspolitik, im Wettbewerb um die besten Köpfe, der Optimierung von Schnittstellen, der Finanzierung der Lehre, der Mittelverwendung und Rechenschaftspflicht, im Bereich der Evaluation und der Drittmittelforschung. Sie fordern die Abschaffung des Berufsbeamtentums und die verstärkte Kooperation mit der Wirtschaft in „Circles of Excellence“.
„Jede Neuerung wird sich an dem Ziel der Verbesserung und Pointierung von Forschung und Lehre messen lassen müssen. (...) Der Prozess ist im Ergebnis offen und gerade diese Dynamik wird für das passende Angebot sorgen.“ Das Papier ist zur Zeit noch in der Review-Phase des Arbeitskreises und ist dann über Matthias.Uebelhoer@t-online.de erhältlich.
Der zweite "Brief an junge liberale Akademiker" ist da - er stammt von Ulrich Bode, dem ehemaligen Generalsekretär der bayerischen FDP und Fellow der Gesellschaft für Informatik e.V..
Bodes Kernthese: Hochschulen können im Informationszeitalter ihre Aufgaben, Forschung und Lehre, nicht mehr erfüllen. Sie haben ihren Zenit überschritten und sind nicht mehr zeitgemäß.
Die Idee, dem Heureka der Grundlagenforschung gehe jahrelange Ruhe im stillen Kämmerlein voran, zeuge von einem völlig falschen Verständnis, wie Bode mit Beispielen belegt. Dagegen: "Forschung muss dort sein, wo die Fragen gestellt werden". Forschung, Entwicklung und Produktion gingen ohnehin schon längst Hand in Hand. Lernen und Forschen seien Teil der Arbeit geworden: "Das Schaffen von Wissen ist die Arbeit und schafft Arbeit. Erstaunlicherweise übererfüllt sich damit eine Forderung von Willhelm von Humboldt, der Studierende nicht als Anhängsel der Forschung, sondern als Teil der Forschung sah".
Die Spaltung von Theorie und Praxis sei eine Erfindung der Hochschulen, deren Institutionalisierung ihre größte Schwäche. In den innovativen Unternehmen einer Informationsgesellschaft sei das zu Wissende nicht bekannt, "sondern Mitarbeiter entwickeln es. Die Informationsgesellschaft lebt von Information - Wissen ist Umsatz". Die Institution Hochschule scheitere hier an ihren konstruktionsbedingten Grenzen, neue Institutionen und Verfahren müssten erst entwickelt werden. "Es kommt wieder zusammen, was zusammengehört: Wissen und Handeln."
Für die Diskussion dieses Briefes steht Euch die email-Liste des AK Bildung zur Verfügung, zur Anmeldung für die Liste sende eine E-Mail an AG-Bildung-subscribe@yahoogroups.de oder an matthias.uebelhoer@t-online.de (Moderator der Liste). Wir erwarten in Kürze weitere Briefe und werden dann im Regelfall dazu übergehen, sie auf unserer homepage zu posten.
Wir laden im Laufe dieses Jahres Experten und Ideengeber aus der liberalen Welt, aus Bildung, Erziehung und Wissenschaft dazu ein, uns Briefe zum Jahresthema zu schreiben - „Briefe an junge liberale Akademiker“. Dieser Titel klingt etwas umständlich, erklärt sich aber im Bezug auf die Naumann‘schen „Reden an die jungen Freunde“. Nicht so lang wie Naumanns Reden, aber in ähnlich anstoßender und grundlegender Absicht sollen auch die Briefe werden. Wir machen diese allen Stipendiaten und Interessierten nach Eingang zugänglich. Bis Ende 2005 könnte daraus eine kleine Publikation entstehen, etwa ein „Memorandum liberaler Bildungspolitik“.
Den ersten Brief haben wir vom Generalsekretär der NRW-FDP, Christian Lindner, erhalten. Er nennt drei Herausforderungen liberaler Bildungspolitik: (1) die steigenden Anforderungen an den Einzelnen, sich in einer dynamischen Umwelt und Wissensgesellschaft zurecht zu finden, (2) die politische Uneinigkeit über eine pädagogische Grundausrichtung, (3) die Schwierigkeiten, Chancengerechtigkeit zu garantieren angesichts der Einsicht, dass Herkunft immer noch den schulischen Erfolg bestimmt. Er geißelt demgegenüber die Steuerungsphantasien der Bürokratie und der Politik, wie sie im „VEB Schule“ aufscheinen, und plädiert für den dezentralen „Wettbewerb als Entdeckungsverfahren“ bei allen Formen und Wegen, „Menschen lebenslanges Lernen und kulturelle Kompetenz zu lehren (...). Eine zukunftsweisende Bildungspolitik kann und sollte insofern nicht mehr als eine Ordnungspolitik sein, die den Rahmen für die Anwendung der Freiheit setzt.“ Weniger Bildungspolitik führe letztlich zu mehr Bildungserfolg. - Der Brief wird in Kürze auf der stipendiatischen Homepage www.stipendiat.de veröffentlicht.
Vom 3.-5. Dezember fand das bundesprogrammatische Wochenende der Jungen Liberalen statt. Neuer Vorsitzender des Bundesarbeitskreises Bildung und Kultur ist Jan Krawitz, der das Amt von seiner Mitstipendiatin Dorothee Müller übernahm. Glückwünsche und alles Gute!
Vom 21. - 23. Januar 2005 fand die 33. Bundesmitgliederversammlung der Liberalen Hochschulgruppen in Essen statt. Zum kooptierten Vorstandsmitglied für Programmatik wurde wieder unsere Mit-Stipendiatin Christina Busch berufen.
Promotions-Stipendiat Dominik Fiedler vom AK Bildung der Stipendiaten veranstaltet zusammen mit dem Regionalbüro Wiesbaden der Stiftung am 21. Februar einen Workshop für Schüler und Lehrer „Schule gestaltet – gestaltet Schule“. Ausgehend von den PISA-Ergebnissen, wird nach der Schule der Zukunft gefragt. Näheres bei post@dfiedler.de.
FDP-Chef Westerwelle skizzierte im sechsten Punkt seiner Rede am Politischen Aschermittwoch die FDP-Vorstellungen einer Bildungsreform:
"Die FDP wird im Falle einer Regierungsbeteiligung eine Bildungsreform durchsetzen. Die Bildungseinrichtungen brauchen neue Ideen und neues Geld. Deswegen ist allen Bildungseinrichtungen ein Höchstmaß an Autonomie zu geben. Sie sollen selber über ihre Strukturen, ihre Inhalte und ihr Personal entscheiden. Der Bund soll sein bisheriges Hochschulrahmengesetz abschaffen. Wenn Hochschulen Studiengebühren einführen wollen, dann sollen sie dies auch dürfen. Die FDP wird im Falle einer Regierungsbeteiligung Bildung, Forschung und Wissenschaft Vorrang einräumen."
Die bayerische Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wurde etwas ausführlicher. Zunächst geißelte sie die bayerische Bildungspolitik, insbesondere die "ausgelaugte" und rücktrittsreife Bildungsministerin Hohlmeier. Jahrelang habe man die Einführung des achtjährigen Gymnasiums blockiert, um es dann "Hoppla-Hopp" ohne Rücksprache mit den Verbänden und organisatorische Vorbereitungen einzuführen. Darüberhinaus würden 1000 Lehrer in Bayern fehlen - das sei ein Bildungsnotstand in Bayern.
Die FDP fordere deshalb die Sicherstellung der Unterrichtsversorgung ("Neues Geld für neue Lehrer!") vor dem Sparhaushalt, den Verzicht auf statistische Schönrechnerei, und Einsparungen auf der Ebene der Bezirksregierungen. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zu den Hochschulgebühren forderte sie eine echte Autonomie der Hochschulen. Universitäten müssten weg von der Funktion als nachgelagerte Verwaltungsbehörde und hin zu einem attraktiven Angebot für die Studenten. Der Freistaat Bayern dürfe sie dabei nicht im Stich machen, wie das mit den Plänen von Minister Goppel drohe.
Die gesamte Rede Leutheusser-Schnarrenbergers findet sich hier - Achtung, pdf-Dokument!
Die FDP Berlin hat sich im Wissenschaftssauschuss des Abgeordnetenhaus Berlin mit ihrem Antrag „Weg frei für Schul-Assistenten!“ durchgesetzt, Schulassistenten an den Berliner Schulen zuzulassen. Hochschulabsolventen mit Bachelor-Abschluss sollen demnach künftig an Berliner Schulen zusätzlich eingesetzt werden, um die Arbeit der Klassenlehrer zu unterstützen, Förderunterricht zu halten und verschiedene Betreuungsaufgaben zu übernehmen.
Zwei Vorteile der neuen Regelung betont die FDP-Schulexpertin Mieke Senftleben:
Nach dem Scheitern des Plans der Bundesbildungsministerin Bulmahn, einen Wettbewerb der Spitzenunis in Deutschland zu fördern, hat die vormalige FDP-Bildungsexpertin Ulrike Flach gefordert, Spitzenunis über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zu fördern. Die zugesagten 1,9 Milliarden Euro müssten an die Hochschulen. Das ginge am besten über die DFG, die zügig ein wettbewerblich organisiertes Programm für Spitzenforschung an Hochschulen auflegen könne. Bund und Länder müssten dafür ihre Anteile an die DFG zahlen, von wo aus ab 2006 Geld für exzellente Forschung fließen könne.
FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper kann die Aufregung um Studiengebühren nicht ganz nachvollziehen. „Studienentgelte tragen zur Qualität und Attraktivität der Lehre bei“, stellte die FDP-Bildungsexpertin klar. Die Gebühren förderten die Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen und verbesserten die Bildung insgesamt.
Pieper kritisierte die Haltung von Schröder, der mit seiner Skepsis „neben dem Zug der Zeit“ stehe. Nach den aktuellen Wahlkämpfen werde sich zeigen, welche Richtung die SPD in dieser Zukunftsfrage einschlagen werde. „Es ist nicht länger vermittelbar, dass es sozial sein soll, wenn unsere Hochschulen allein vom Steuerzahler finanziert werden“, mahnt die FDP-Bildungsexpertin. „Warum soll jeder Arbeitnehmer ,solidarische Studiengebühren’ zahlen und damit akademische Karrieren anderer fördern?“
Der entscheidende Punkt ist nach Ansicht Piepers, dass die Studienentgelte tatsächlich bei den Hochschulen ankommen und zu einer Verbesserung der Bildungsangebote führen. Die Bestimmung der Höhe der Gebühren sollte dabei den Bildungseinrichtungen obliegen. Wichtig sei vor allem aber, dass Studienkonten eingerichtet würden, um auch Kindern von sozial Schwächeren ein Erststudium zu ermöglichen, so die FDP-Politikerin. „Wenn es den Hochschulen und den Landesregierungen gelingt, diese Zusammenhänge transparent zu machen, dann werden sich auch die Studenten einer solchen Regelung mehrheitlich nicht verweigern“, betonte Pieper.
Das Mitglied im Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung, Heinz Lanfermann, hat gefordert, den Völkermord an Armeniern wieder in den Brandenburger Lehrplan aufzunehmen. Nach einem Treffen mit dem türkischen Generalkonsul hatte der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) den Genozid aus dem Lehrplan gestrichen.
Lanfermann, auch brandenburgischer FDP-Landeschef, hielt die Entscheidung für unerträglich.
Auf türkischen Druck hin den Massenmord aus dem Geschichtsunterricht zu streichen, schade dem Ansehen des Landes Brandenburg, so Lanfermann.
An diesem Beispiel Platzecks zeigt sich, wie Bildungspolitik als Schlachtfeld der Politik mißbraucht wird. Lehrplan-Politik ist immer auch Vergangenheitsbewältigung und Zukunftspolitik - sie ist so etwas wie eine Durchgangsoperation gesellschaftlicher Selbstverständigung.
Wie weit geht die Freiheit, Kinder privat zu erziehen? Diese Frage stellt sich konkret am Beispiel von Baptisten, die nicht einverstanden mit der staatlichen Erziehung waren und Anstoß vor allem am Unterricht in Religion und Sexualkunde nahmen. Nach ihrer Auffassung wurde in den Grundschulen vor allem zu freizügig über Sex gesprochen waren. Jetzt wollen sie ihren Kindern Heimunterricht geben.
Das Schulen die großen Gleichmacher der Gesellschaft sind, hat einerseits immer einen guten Grund gemacht: hier sind Staatsbürger geformt worden, ob in der Abart der Nazis, oder in der demokratischen Absicht der Bundesrepublik. Wenn dem Glaubens- und Gewissensfreiheit entgegen gehalten werden, wie weit will ein liberaler Staat da gehen?
Und was sagt eigentlich ein liberaler Staat zum Sportunterricht moslemischer Mädchen - müssen die mitmachen?
Bereits am 06. Februar 2005 feierte der Seniorenverband der Liberalen Hochschulgruppen, der Verband Liberaler Akademiker, sein 50-jähriges Jubiläum. Der VLA pflegt seit Jahrzehnten den Generationendialog mit der akademischen Jugend und mischt sich immer wieder in die liberale Debatte ein. Herzliche Glückwünsche von den Stipendiaten der Naumann-Stiftung!
Verwirrung um die Höhe der Schulden, die Studenten für die Studiengebühren machen werden: wie die Wochenzeitung Die Zeit berichtet, erwartet Hochschulexperte Detlef Müller-Böling, Leiter des Centrums fuer Hochschulentwicklung (CHE) in Guetersloh, rund 5.000 Euro Schulden für Studenten nach der Einführung von Gebühren - bei einer Studiendauer von immerhin zehn Semestern. Sie hat damit wesentlich undramatischere Auswirkungen als befürchtet.
Zuvor hatte der Ring Deutscher Makler (RDM) befürchtet: "Wer ein Studiendarlehen für Lebenshaltungskosten und Studiengebühren in Anspruch nimmt, müsste nach der Ausbildung damit rechnen, 20 Jahre lang monatlich etwa 350 Euro für die Tilgung des Kredits aufbringen zu müssen." Der RDM warnte, Studenten, die künftig nach Abschluss ihres Studiums ihren Studienkredit abzahlen müssten, würden in dieser Phase kein Geld als Eigenkapital für den Immobilienerwerb zur Seite legen können. "Dieses Geld fehlt im Portemonnaie, wenn sich die Akademiker selbstständig machen oder Eigenkapital ansparen wollen, um sich eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen', erläutert RDM-Landesvorsitzender Peter Braschoß. Zudem gibt er zu bedenken, dass längst nicht mehr alle Hochschulabsolventen nach der Uni auf Anhieb einen gut dotierten Arbeitsplatz finden. Entsprechend würde sich die Tilgung des Studiendarlehens weiter verzögern - zu Lasten des Wohneigentumerwerbs."
Unterdessen rücken auch die Risiken der Studierens auf Kredit in den Fokus. Zwischen Landesministerien und Kreditinstitute würde derzeit vor allem über zwei Punkte gestittten: wer den immensen Verwaltungsaufwand für das spätere Eintreiben der Darlehen bezahlen soll und wer die Ausfallbürgschaft für die Kredite trägt.
Verwirrung um die Höhe der Schulden, die Studenten für die Studiengebühren machen werden: wie die Wochenzeitung Die Zeit berichtet, erwartet Hochschulexperte Detlef Müller-Böling, Leiter des Centrums fuer Hochschulentwicklung (CHE) in Guetersloh, rund 5.000 Euro Schulden für Studenten nach der Einführung von Gebühren - bei einer Studiendauer von immerhin zehn Semestern. Sie hat damit wesentlich undramatischere Auswirkungen als befürchtet.
Zuvor hatte der Ring Deutscher Makler (RDM) befürchtet: "Wer ein Studiendarlehen für Lebenshaltungskosten und Studiengebühren in Anspruch nimmt, müsste nach der Ausbildung damit rechnen, 20 Jahre lang monatlich etwa 350 Euro für die Tilgung des Kredits aufbringen zu müssen." Der RDM warnte, Studenten, die künftig nach Abschluss ihres Studiums ihren Studienkredit abzahlen müssten, würden in dieser Phase kein Geld als Eigenkapital für den Immobilienerwerb zur Seite legen können. "Dieses Geld fehlt im Portemonnaie, wenn sich die Akademiker selbstständig machen oder Eigenkapital ansparen wollen, um sich eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen', erläutert RDM-Landesvorsitzender Peter Braschoß. Zudem gibt er zu bedenken, dass längst nicht mehr alle Hochschulabsolventen nach der Uni auf Anhieb einen gut dotierten Arbeitsplatz finden. Entsprechend würde sich die Tilgung des Studiendarlehens weiter verzögern - zu Lasten des Wohneigentumerwerbs."
Unterdessen rücken auch die Risiken der Studierens auf Kredit in den Fokus. Zwischen Landesministerien und Kreditinstitute würde derzeit vor allem über zwei Punkte gestittten: wer den immensen Verwaltungsaufwand für das spätere Eintreiben der Darlehen bezahlen soll und wer die Ausfallbürgschaft für die Kredite trägt.
Die Virtuelle Akademie der Naumann-Stiftung unter der Leitung von Herrn Fischer setzt liberale Bildungsarbeit ebenso um, wie sie liberale Bildungspolitik thematisiert - @ http://bildung.virtuelle-akademie.fnst.de. Damit leistet sie, was auch wir thematisieren wollen: Bildung für die Freiheit!
"Liberale Bildungspolitik setzt auf Freiheit, Eigenverantwortung und Wettbewerb von Schulen und Hochschulen. Die Vielfalt der Begabungen braucht die Vielfalt der Bildungsanbieter. Besonders wichtig sind uns daher die Themen:
- Zukunft von Bildung in der Informationsgesellschaft
- Begabtenförderung
- Schule, Wirtschaft, Wettbewerb"
So heißt es auf der homepage. Dazu gibt es ein reichhaltiges Angebot von Dokumenten zur liberalen Bildungspolitik sowie den Hinweis auf die nächste Veranstaltung:
Bildung 2020
Skandinavien macht Schule - was kann Deutschland von den PISA-Siegern lernen?
vom 20.02.2005 bis 09.03.2005
Ort: Internet
Darüberhinaus sehr instruktiv: die Pionierarbeit beim E-Learning für Schulen. Die Lernwerkstatt ist ein E-Learning-Projekt für Politik-Kurse der Sekundarstufe 2 und macht Schülerinnen und Schüler mit den wichtigsten Arbeitsformen der Online-Arbeit vertraut: Internet-Recherche, Gruppenarbeit in virtuellen Lernräumen, Online-Abstimmungen, Experten-Chats, Foren, Mailinglists. Für Lehrerinnen und Lehrer finden Einführungs-Workshops statt.
Angesichts dieser Angebote ist es kein Wunder, dass die Jury des Europäischen E-Learning Awards eureleA 2005 die Virtuelle Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung als Finalisten in der Kategorie Associations and Club ausgewählt hat!
Herzliche Glückwünsche! Dr. Andreas Bahr, Altstipendiat unserer Stiftung, wurde für seine Promotion zum Thema „Vertrauen in Wirtschaftsprüfer – Konzeptioneller Bezugsrahmen für eine real-wissenschaftliche Theorie der Erwartungslücke“ mit den beiden wichtigsten Preisen im Bereich der Wirtschaftsprüfung ausgezeichnet: Er bekam den Deutschen Hochschulpreis für Prüfungsforschung sowie den Stiftungspreis der Stiftung Haus Wienemann, so die Meldung auf der homepage vom Portal Liberal.
Dr. Andreas Bahr war von 1999 bis 2001 in der Graduiertenförderung der Friedrich-Naumann-Stiftung. Er engagierte sich stark im Stipendiatenleben und war lange Sprecher des Arbeitskreises Wirtschaft und Soziales.
Hochschulfinanzierung ist das eine - die Finanzierung des Studiums das zweite.
Zitat aus SPON:
"Nach Berechnungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wird jeder dritte Student künftig ein Darlehen für seinen Lebensunterhalt und die geplanten Studiengebühren aufnehmen. Die Schulden nach einem Universitätsabschluss dürften sich nach KfW-Angaben auf 30.000 Euro im Schnitt belaufen, berichtet die Zeitschrift "Focus". Die bundeseigene Bank will ab Herbst Darlehen anbieten, bei denen Studenten monatlich bis zu 650 Euro erhalten können. Laut "Focus" soll der Bund nach den Vorstellungen der Bank eine Ausfallbürgschaft übernehmen, die etwa 600 Millionen Euro pro Jahr betragen könne. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und andere Koalitionspolitiker lehnen dies strikt ab. Die verzinsbaren Volldarlehen sollen nach den Vorstellungen einiger Unionspolitiker das bisherige Bafög ersetzen.
Die KfW-Förderbank hat allerdings wesentliche Teile des "Focus"-Berichts als falsch bezeichnet. So verlange man unter anderem für die geplanten Kredite keine Ausfallbürgschaft in Höhe von 600 Millionen Euro. Eine KfW-Sprecherin betonte, beim geplanten Darlehensprogramm seien etwaige Ausfälle voll über den Zinssatz gedeckt. Dem Staat entstünden also keine Risiken. Die Zahlen zu den am Kredit interessierten Studenten und zu ihrer Schuldenlast seien nicht nachvollziehbar, so die KFW-Sprecherin.
Nach dpa-Angaben sind im Betrag von 30.000 Euro die Zinsen und Zinseszinsen für die langen Rückzahlzeiten nach dem Studium ebenso wenig enthalten wie die Kosten für Ausfallbürgschaften. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf interne Berechnungen der Bundesregierung, denen zufolge die tatsächlichen Rückzahlsummen je nach Laufzeit und Zinsniveau auf einen Betrag zwischen 65.000 und 90.000 Euro anwachsen könnten - in Extremfällen könne sich sogar ein Schuldenberg von über 120.000 Euro auftürmen."
Mit der Lehrerausbildung auf sicherem Kurs in die Festanstellung...? So einfach ist es nicht.
Über den Auftrag und die Stellung des Lehrers in unserer Gesellschaft sagt Ewald Terhart von der Uni Münster:
"Klischees und Pauschalurteile über Lehrer sind deshalb so beliebt, weil jeder den Beruf über Jahre miterleben konnte, nämlich als Schüler, jeden Vormittag. Jeder fühlt sich kompetent, über Lehrer zu urteilen. Vielfach wird der Lehrerberuf geradezu verachtet - faule Säcke, wehleidig, nachmittags immer auf dem Tennisplatz und so weiter - und paradoxerweise wird zugleich erwartet, dass sie alle möglichen gesellschaftlichen Probleme lösen: Sie sollen für Integration sorgen, immer mehr Erziehungsaufgaben übernehmen, den Mühseligen und Beladenen aufhelfen und so fort. Lehrer sind aber weder pauschal Versager noch durchweg Übermenschen, sondern zeigen in ihrer Berufsgruppe ein breites Leistungsspektrum - wie andere Berufe auch."
Welche Erwartungen haben eigentlich Liberale in Lehrer?
Nach PISA II hieß es, Kinder aus sozial schwachen Familien hätten in Deutschland besonders schlechte Bildungschancen. In offenbar kaum einem anderen Industriestaat der Welt hängt der Bildungserfolg eines Kindes so stark von der sozialen Herkunft ab wie in Deutschland.
Auch eine andere Studie, die Iglu-Studie, hatte bemängelt, dass die soziale Herkunft eines Kindes auch die Schulempfehlung der Lehrer für die weiterführende Schule beeinflusst: Kinder aus sozial schwächeren Familien würden dabei systematisch benachteiligt.
Nun zeigt eine neue Studie des Soziologen Thorsten Schneider vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, dass die Bildungschancen eines Kindes in der Schule entscheidend davon geprägt werden, wie gebildet seine Eltern sind. Ob die Familie reich oder arm ist, spielt dagegen eine Nebenrolle. Auf die Bildung, nicht auf das Einkommen kommt es an.
Selbst erhöhte Transferleistungen an die Familien, wie etwa ein höheres Kindergeld, könnten die Bildungsnachteile von Unterschichtkindern nicht ausgleichen. Mehr Chancengleichheit in der Schule könne nur hergestellt werden, wenn das Bildungssystem sich insgesamt ändere, heißt es in einer Mitteilung.
Akademikerinnen sollen Kinder kriegen? Kein Problem für die "Generation Zuversicht".
Guter Überblick für praktische Dinge rund ums Studium - die Linksammlung bei Spiegel Online.
Die Abiturienten kommen in Wellen - Langzeitstudenten müssen sich schon heute darauf einstellen, dass es 2011 und 2013 zu einer weiteren Überflutung der Hörsäle kommt. Denn dann fallen Turbo-Abi nach 12 Jahren und normales Abi nach 13 Jahren in einigen Bundesländern erstmals zusammen, und zwei Jahrgänge blockieren auf einmal die Sprechstunden. Die langfristige Prognose heißt: Klassenzimmer leer, Hörsäle voll.
... braucht Hans nimmermehr lernen. Die Grenzen zwischen Schule und Uni verschwimmen - Hochbegabte dürfen als Teil der Begabtenförderung im Saarland ein "Juniorstudium" beginnen, bevor sie das Abitur bestanden haben. Erbrachte Leistungen werden dann angerechnet.
Eine ähnliche Regelung gibt es mindestens auch in Nordrhein-Westfalen, genannt "Enrichment-Angebote". Zwischen "Kinder-Hochschule" und "Schüler-Universität", "Summer-School" und "Schnupperstudium" bieten fast alle nordrhein-westfälischen Unis Schülern der Sekundarstufe II (in Ausnahmefällen auch der Mittelstufe) in vielfältiger Weise die Möglichkeit, bereits während ihrer Schulzeit an regulären Veranstaltungen für Studentinnen und Studenten teilzunehmen und Leistungsnachweise zu erwerben.
Und alles vorbildlich präsentiert unter http://www.chancen-nrw.de!
Leider, das ist hinzuzufügen, können diese hochbegabten Vorabiturienten noch nicht mit Stipendien der deutschen Begabtenförderungswerke rechnen. Die Richtlinien verlangen nach wie vor Abitur.
...der Anstrengung und immer wieder einer mit Höhepunkten. Das beweist auch der Kalender "Aktstudien 04/05. Ausgezogen für eine bessere Bildung" der Studentinnen und Studenten der Uni Bamberg, der ganz bildungsbewußt bei Adam und Eva anfängt. Mit dem Erlös des Kalenders werden jetzt die Futuredays 2005 finanziert, eine Selbstbesinnung über die Zukunft und die Zeit danach ("Zukunft ist für alle gut", hofft der_Hendrik).
Nicht ganz neu, die Idee des studentischen Erotikkalenders: ihre Vorreiter kamen schon 2003 von der Fachhochschule (FH) Deggendorf in Niederbayern, die auch 2005 wieder der Lust an der eigenen Schönheit frönten - mittlerweile von dem Hinweis entkleidet, es handle sich hier um Protest. Ebenso zeigten an der Uni Bremen die Sportstudenten schon länger Haut und Haare und sonst nichts - homepage hier -, und auch die Proteste in Berlin im Dezember 2003 splitterten nackt daher, wobei die Ästhetik mehr an Flitzer und Blitzer als an Körperkult und Bodybuilding erinnerte. Noch weiter ging's in Leipzig - dort drehten Studenten Anfang 2004 den Softporno "Bildung ist nicht die Hure der Wirtschaft" ab - "paaren statt sparen", so der geistreiche Untertitel, der bewies, wo in Leipzig so der Hammer hängt. Weniger körperbetont und etwas geistreicher gab sich die junge Generation der deutschen Dichter und Denker da schon in einem Plakatwettbewerb aus dem Februar 2003.
Dennoch: die ultimativen Pioniere sind natürlich die Jungen Liberalen gewesen. Daniel Bahr, Rudi Hielscher, Wolf Dermann, Alexander Alvaro und Sophie-Charlotte Lenski protestierten schon irgendwann 2000 (?) im Geburtskostüm mit g'schamigem Plakat "Ohne Bildung steht die Jugend bald nackt da" vor dem Bundeskanzleramt - wenn mich die Erinnerung an den Ausschnitt aus der WELT nicht täuscht, den meine liberale WG sich damals in den Flur gehängt hatte.
In einem Beitrag für die Wetzlarer Zeitung zeigt sich der ehemalige hessische Wissenschaftsminister Wolfgang Gerhardt befriedigt über die Karlsruher Entscheidungen. Weiter schrieb er:
"Ein Rückzug der Politik aus den Hochschulen wäre der fällige nächste Schritt, um die Universitäten wieder zu mehr Selbständigkeit zu bringen. Unsere Universitäten hatten schließlich das beste Ansehen, als die Politik noch überhaupt keinen Einfluß übte. Und: Dann würde auch der jahrzehntelange und ermüdende Streit zwischen Bund und Ländern über die Bildungshoheit endlich ein Ende finden."
In einem Interview mit dem Tagesspiegel hat Cornelia Pieper, die neue Vorsitzende des Bildungsausschusses des Bundestages, ihre Vorstellungen von Bildungspolitik zwischen Kinderbetreuung ab drei Jahren ("zumindest halbtags kostenlos") und Hochschulpolitik deutlich gemacht.
Sie plädierte noch einmal "für einheitliche bundesweite Standards und kompatible Strukturen im Bildungsbereich und größtmögliche Freiheit der Bildungseinrichtungen." Das ist als klare Absage an den Wettbewerb der Bundesländer zu verstehen: "Wenn jedes Bundesland jetzt seine eigenen Regeln aufstellt, wird es zu Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Hochschulen kommen."
Auf die Frage, die FDP werfe ihr vor, "mit solchen Thesen den Föderalismus zu zersetzen", antwortete Pieper: "In meinem neuen Amt als Ausschußvorsitzende werde ich antreten, alte Denkstrukturen aufzubrechen." Wir bräuchten neue Ideen und Konzepte in der Bildungspolitik und weniger Ideologie.
Weil die FDP nach eigener Aussage "für mehr marktwirtschaftliche Elemente in der Förderpolitik" eintritt, erfindet sie den Begriff der Ordnungspolitik neu: "günstige staatliche Rahmenbedingungen zur Förderung der Forschung" werden als "Antriebselement eines selbsttragenden Wirtschaftsaufschwungs" verstanden. Generalsekretärin und Bildungsexpertin Pieper dazu: "Ich rege deshalb eine Forschungsprämie an. Das hieße: Alle Forschungsaufträge der Unternehmen an öffentlich finanzierte Forschungseinrichtungen und Hochschulen werden mit einem Zuschuß von etwa 25 Prozent gefördert."
Die gesamte Pressemitteilung "PIEPER regt Forschungsprämie für neue Länder an" findet sich hier.
Reformen auch in der Schulpolitik: "In Niedersachsen wird das Abi schwerer, in NRW schneller". Der Düsseldorfer Landtag hat ein neues Schulgesetz verabschiedet, Kernpunkte sind das Abitur nach zwölf Schuljahren und zentrale Abiturprüfungen. In Niedersachsen geht es um einen Erlaß des Landeskabinetts zur Neuregelung der gymnasialen Oberstufe.
In NRW kritisierten Ralf Witzel in seiner Rede zum neuen Schulgesetz NRW die Reform scharf: "Die Regierungskoalition legt mit einer Verabschiedung des Schulgesetzes heute den Grundstein für ein Einheitsschulsystem in NRW. (...) Alle von der FDP beantragten schulrechtlichen Verbesserungen sind von der rot-grünen Parlamentsmehrheit entweder gar nicht beraten oder blind niedergestimmt worden.
Dabei weist unsere Bildungspolitik zukunftsorientiert in die richtige Richtung:
Auch der Fraktionsvorsitzende der NRW-Landtagsfraktion, Ingo Wolf, kritisierte die Tendenz zur Einheitsschule: "Die Forderung nach der Einheitsschule entspringt vielmehr einer überholten Bildungsideologie von Rot-Grün. Die Kinder, Lehrer und auch Eltern leiden unter einer jahrzehntelang verfehlten Bildungspolitik dieser Landesregierung. Unterrichtsausfall und Lehrermangel überall. Da hilft keine Strukturdebatte, da helfen nur neue Lehrer, kleinere Klassen und individuellere Förderung. Jede Schule – egal ob Gymnasium oder Einheitsschule – ist eine schlechte Schule, wenn keine Lehrer drin sind."
Unter der Überschrift "Mehr Forschungsfreiheit für Deutschland" fordert die FDP Subventionen der Luft- und Raumfahrtindustrie: "Die FDP fordert, der Empfehlung des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit eingesetzten Programmbeirats Luftfahrtforschung (BMWi-Dokumentation Nr. 494 -„Luftfahrt 2020 – Die Deutsche Luftfahrtforschung, Partner im globalem Wettbewerb“) zu folgen und ein dem 3. Luftfahrtforschungsprogramm folgendes Programm mit mindestens 50 Millionen Euro jährlich auszustatten. Die Förderquote sollte bei den empfohlenen 50 Prozent liegen.“
Begründung: "Bildungs- und Forschungspolitik für die Luft- und Raumfahrt ist Langfristpolitik und dient der Zukunftsvorsorge." Grundlagenforschung...?
Die Sozialwissenschaften haben als intervenierende Leitwissenschaften abgedankt, so Lord Ralf Dahrendorf in einem lesenswerten Interview anläßlich seiner Rückkehr nach Deutschland - ans Wissenschaftszentrum Berlin, um genauer zu sein.
Hier das Zitat vom Ende des Textes: "(s)ie haben abgedankt, aus Gründen, die im Wesentlichen, wenn man es rein deskriptiv fasst, damit zusammenhängen, dass die wissenschaftliche Welt eine Eigenwelt geworden ist. Sie orientiert sich nicht sehr an dem, was an Fragestellungen in sie eingeht, geschweige denn an dem, was an Wirkung aus ihr hervorgehen kann."
Am Elfenbeinturm kann es nicht liegen - immerhin braucht man nach Dahrendords Ansicht auch für bewußt parteiliche Stellungnahmen eine gewisse Unabhängigkeit. Aber eben auch Problembewußtsein und Wirklichkeitsnähe statt Methodendiskussion und Modellbastelei! - Grüße an meine Politikwissenschaftler.
Am WZB will sich Dahrendorf übrigens der Frage widmen, warum Raymond Aron, Isaiah Berlin und Karl Popper sich wie wenige andere Intellektuelle des 20. Jahrhunderts nie haben totalitär versuchen lassen. Alle drei sind Liberale - und, Lord Dahrendorf, vergessen Sie bitte nicht, dass alle drei auch Juden waren. Aber eine bestimmte Totalitarismus-Resistenz des assimilierten Judentums, das ist eine andere Thema.
Klasse Überblick, Spitzen-Leistung der ZEIT @ http://www.zeit.de/chancen/studium.
Im Studenten verschränken sich der individuelle Karrierewunsch und das Ausbildungsobjekt der Hochschulen auf der Suche nach konkurrenzfähigem Profil - so Elisabeth von Thadden in ihrem Beitrag "Wie man in Deutschland studiert" in der Reihe "Leben in Deutschland".
Mit dabei: eine Reflektion über den Einfluß des Idealismus auf das deutsche Hochschulwesen, wie er bereits im Blog "Leistungsfeindliche Deutsche dank Schiller und Humboldt?" thematisiert wurde.
Ein Student ist ein Student ist ein Student - gilt nicht mehr, und galt vielleicht noch nie. Ein kurzer Überblick über die "studentische Klassengesellschaft".
Bildung und Studium sind auch nicht mehr das, was uns unsere Eltern noch versprochen hatten - sichere Wege in einen guten Job, eine kleine Karriere und die frühe Rente. Nach welchen Kriterien soll man da die eigene Bildungsbiographie gestalten? Uwe Jean Heuser und Sascha Spoun raten: "Lernt, was Ihr wollt!"
Bildung und Studium, Erziehung und Familie kosten Zeit. Wie lässt sich Kindererziehung und -betreuung mit dem Studium vereinbaren? - Mit Kind und Hegel in die Teilzeitstudiengänge: praktische Einsichten.
Doktorand zu sein, wird immer beliebter, nicht zuletzt, weil der Arbeitsmarkt so voll ist ("Flucht in die Promotion"). In dem Maße, wie sich wichtig wird, stellt sich auch die Frage nach der biographischen Absicherung der Promotion gegenüber dem Doktorvater.
Bund und Länder sollten die Forschung an deutschen Unis mehr fördern, rät der Ex-Präsident der amerikanischen Elite-Universität Stanford, Gerhard Casper ("die kapitalistischste Uni der Welt", wie die FAZ behauptete). Die Hochschulen hierzulande würden geführt wie Behörden - mit negativen Folgen für die Qualität - so fasst SPON zusammen, was Gerhard Casper im Interview mit der ZEIT gesagt hat, das online nicht zu finden ist - im Gegensatz zu zwei instruktiven Casper-Interviews:
Unis statt Opernhäuser: Wie Stanford von der Provinzhochschule zur Elite-Uni wurde – und was Deutschland davon lernen kann
und
Alles hängt an der Auslese: Gute Universitäten brauchen gute Studenten, Studiengebühren, aber keine Ministerien.
Jetzt darf jeder Smarte mal was Buntes vorschlagen: sein Modell und seine Höhe zur studentenbezogenen Finanzierung der Hochschule. Ob 500,- oder 1500,- Euro, ob Studienkonten, Erstudiums-Finanzierung oder doch nur Zweistudiumsfinanzierung - der Phantasie scheinen wenig Grenzen gesetzt.
Nur die FDP-Vorschläge werden ignoriert.
Typisch für die Diskussion: zumindest öffentlich entsteht der Eindruck, als seien Studiengebühren ein Allheilmittel für die Hochschulpolitik. Höchste Zeit für eine grundlegende Debatte, welche Motive in Gebührenmodelle eingehen - siehe den untenstehenden Beitrag "Kleine Diskursanalyse zur Hochschulfinanzierung: Argumente Pro und Contra Studiengebühren".
Die Debatte um Studiengebühren wird aus mehreren Perspektiven geführt. Dominant ist zunächst ein Gegensatz zwischen
häufig flöten. Recht ertragreich und nicht unwichtig dürfte aber die Diskussion darüber sein, welche Rolle die Wissenschaft im Verhältnis zur allgemeinen Bildung spielt; ob und wie Wissen distanziert von der Gesellschaft oder in ihrer Mitte produziert werden soll oder kann; wo Hochschulen noch der Bildung des Einzelnen und wo der Förderung der Exzellenz von Forschung und Lehre dient, und ob und wie diese Wünsche kompatibel sind. Und welche Rolle dann Studiengebühren bzw. weitere staatliche oder wirtschaftliche Finanzierungsinstrumente als Regulativ spielen.
Die BefürworterInnen bringen vor:
Professor Paul Nolte aus Bremen, bekannt als Vordenker der "Generation Reform: Jenseits der blockierten Republik" sowie leider von schwarz-grünen Projekten, wendet sich in einem Welt-Artikel an die Studenten mit dem Appell, sich der Diskussion um gebührenfinanzierte Hochschulregelungen zu stellen.
Fünf Wünsche äußert er:
- "Hören Sie auf mit der Realitätsverweigerung!" Massenstreik bringt nix, konstruktive Diskussion schon.
- "Geben Sie die Verschwörungstheorien auf!" Hier handle es sich nicht um ein "neo-liberales Komplott", die Solidarisierung mit Hartz-4-Empfängern werde nicht funktionieren.
- "Öffnen Sie sich den Gerechtigkeitsargumenten!" Auch ein gebührenfreies Studium habe viele Kinder aus bildungsfernen Schichten vor den Toren der Universität gelassen, es sei zu einem Kopfstand der Bildungspyramide in der Finanzierung gekommen: "Gebühren im Kindergarten, kostenlose Privilegiertenbildung".
- "Gestalten Sie eine Debatte über Stipendiensysteme!" statt rumzuheulen.
- "Entwickeln Sie Selbstbewußtsein!" - "Findet man ein anderes Land, in dem nachwachsende Akademiker so depressiv sind wie in Deutschland? Noch immer, teils jetzt erst recht gilt: Mit einem Hochschulabschluß sind die Chancen auf gute Beschäftigung, auf Vermeidung von Arbeitslosigkeit besser als mit jeder anderen Ausbildung. Hören Sie auf mit Selbstmitleid und Selbstmarginalisierung!"
Abschließend fragt Nolte: "Können wir auf Ihre Mitarbeit zählen?"
Darauf die Antwort dieses Blogs: Lieber Professor Nolte, we can feel your pain. Linke ASten müssen Sie ganz schön frustriert haben. Dass Sie gerne mal Klassenunterschiede thematisieren - was gegen den guten Ton verstößt, aber vielleicht ganz ehrlich ist - erklärt natürlich Ihren Fokus auf jene Studenten, die sich im ewigen Klassenkampf wähnen. Und hier die gute Nachricht... es geht schon heute anders. Herzlich willkommen bei den liberalen Studenten, und schreiben Sie doch uns mal einen Brief!
Kommt der Konsens bei den Hochschulgebühren schon nach den Landtagswahlen im Frühsommer? SPON ("Show für Studenten") hat dafür Belege gesammelt:
- die Uneindeutigkeiten des Kanzlers
- die Frage des Wirtschaftsministers Clement, der in den vergangenen Monaten mehrfach die Frage aufgeworfen habe, warum "in Deutschland zwar für den Besuch von Kindergärten Beiträge zu zahlen sind, nicht aber für den Besuch von Hochschulen".
- die Forderungen des Innenministers Schily, dessen Bruder Konrad ehemaliger Präsident der Uni Witten/Herdecke ist, nach mehr Autonomie der Hochschulen, gerade auch bei der Finanzierung
- die grundsätzliche Bereitschaft der ostdeutschen SPD-Fürsten Wowereit, Platzeck & Matschie, Studiengebühren einzuführen.
Noch deutlicher war schon immer auch der frühere SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz, inzwischen Hochschullehrer an der schweizerischen Universität St. Gallen. Angesichts der klammen Kassen der Hochschulen, so Glotz schon vor Jahren, gebe es für Studenten nur zwei Alternativen: entweder eine gute Ausbildung gegen eine mäßige Gebühr oder "ein beschissenes Studium umsonst". Glotz fordert schon seit 1996 Studiengebühren - allerdings nicht in einem einheitlichen bundesweiten Modell.
Geld ist Geld, aber Studiengebühren sind nicht gleich Studiengebühren - jedenfalls hängen ihre Auswirkungen von dem Umfeld ab, wo und für wen sie eingesetzt werden. Dennoch ist sich der Wirtschaftsjurist Bernhard Nagel sicher: "Studiengebühren wirken abschreckend", es werden weniger Studenten werden. Droht das Ende der Massen-Uni - oder müssen wir uns Sorgen um finanziell Benachteiligte machen?
Landeskinder aus Rheinland-Pfalz, Bremen und Schleswig-Holstein sollen dagegen von den Universitäten des Landes von Studiengebühren ausgenommen werden; diesen SPD-Länder scheinen die bayerische Überzeugung "mir san mir" voll geschluckt zu haben, viel Spaß bei der Inzucht.
Aber die läßt sich natürlich vermeiden, überlegt ein Herr Jürgen Zöllner, rheinland-pfälzischer Wissenschaftsminister, wenn man zwischen den Ländern Geld pro Student verschiebt. Praktischerweise könnten so Niedersachsen und die ostdeutschen Länder mal zu Geberländern werden. Sie gehören zu den "Exporteuren" unter den Ländern, ebenso wie offenbar auch Baden-Württemberg, dessen traditionsreiche Universitätsstädte ja kluge Köpfe en masse aus der ganzen Republik anziehen. Fliehen jetzt die Schwaben und die Badener schon vor soviel Konkurrenz in landeseigenen Hörsälen? Sind sie einfach nur weltoffen oder neugierig auf Deutschland? Gibt es bei denen noch die Tradition der Lehr- und Wanderjahre? Oder wollen sie unbedingt irgendwo Hochdeutsch lernen?
Des weiß i au net, aber wenn Du's weisch, tät ich mich über a response echt saumäßig freie.
In Reaktion auf das Karlsruher Urteil zur Hochschulfinanzierung hat die FDP ihren Vorschlag vom Oktober vergangenen Jahres erneuert, die Finanzierung der Hochschulen auf drei Säulen zu stellen:
- Finanzierung durch Steuern als Grundfinanzierung
- Finanzierung durch "Studienentgelte" in kompletter Verantwortung der Universität, wobei "nachgelagerte Studiengebühren" vorgeschlagen werden
- Drittmittel und Vermögen - hierzu sollten Stiftungs-, Erb- und Steuerrecht verändert werden
Der gesamte Beschluss des FDP-Bundesvorstandes vom 24. Oktober findet sich hier - Achtung! - als pdf-Dokument.
Anzahl der Beiträge auf den Foren des FDP-Bundesverbandes, Stand 27. Januar, 13:30 Uhr, geordnet nach Anzahl der Beiträge:
Aktuelles 7061
Arbeitsmarkt, Wirtschafts- und Steuerpolitik 6165
Verschiedenes 3357
Umwelt- und Energiepolitik 2926
Internationale Politik 2815
Innen- und Rechtspolitik 2388
FDP Partei 1685
Gesundheits-, Sozial- und Familienpolitik 1417
Mobilität 1254
Bildung, Forschung, Kultur 1157
Jetzt ist es amtlich: Cornelia Pieper, bisher bereits Bildungssprecherin der FDP, wird die neue Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag. Dafür gibt sie ihr Parteiamt als Generalsekretärin im Mai auf. In ihrem neuen Amt, nach eigener Einschätzung "das nächst höchste Amt nach der Bundesbildungsministerin", wird Pieper die Nachfolgerin der zurückgetretenen Ulrike Flach.
Die Prominenz Piepers ist eine Chance für die FDP, in der Bildungspolitik erkennbarer zu werden, als sie das unter der blass gebliebenen Ulrike Flach gewesen ist. Umstritten dürfte Pieper dennoch bleiben - erst kürzlich hatte sie sich ja für einen umstrittenen Vorstoß für mehr Bundeskompetenzen in der Bildungspolitik den Ärger ihrer Parteifreunde eingehandelt. "Sie können davon ausgehen, dass ich ein sehr streitbarer Geist in der Bildungspolitik bleiben werde."
Es geht auch anders als zu protestieren: die StudierendenGesellschaft der Uni Witten/Herdecke hat schon vor Jahren ein Modell der nachgelagerten Studiengebühren entwickelt, das dort, offenbar erfolgreich, umgesetzt wird.
Ein ähnliches Modell der nachgelagerten Finanzierung steht hinter "CareerConcept": "Unsere Bildungsfonds finanzieren das Studium von ausgewählten Studenten und Doktoranden und ermöglichen ein optimales Studium. Nach Studienabschluss führen die Studenten einen Teil ihres Einkommens über einen festgelegten Zeitraum an den Bildungsfonds zurück." Dem Vorstand von CareerConcept gehört Rolf Christian Zipf an, der als Alt-Stipendiat und VSA-Mitglied erst im letzten freiraum vorgestellt wurde. Verwandt damit die Seite http://www.bildungsfonds.de/.
Zufriedenheit bei CDU und CSU, bedröppelte Bedenklichkeit bei der Bundesregierung - so lassen sich die ersten Reaktionen zusammenfassen.
Für die FDP hat Cornelia Pieper reagiert, die sich Hoffnung auf die Nachfolge der soeben zurückgetretenen liberalen Frontfrau im Bildungausschuss des Bundestages, Ulrike Flach, machen kann. Die Entscheidung darüber steht offenbar noch heute an.
Pieper begrüßte das Urteil und erklärte unter anderem: "Das von Frau BULMAHN und der rot-grünen Koalition bis heute durchgesetzte Studiengebührenverbot war ein großer Fehler. Entscheidend ist, daß die Hochschulen in ihrer Autonomie gestärkt werden. Der FDP geht es darum, einen Wettbewerb um die Studierenden und um die Qualität der Lehre auszulösen. Dies ist nur durch eine Stärkung der Nachfragemacht der Studenten möglich. Dazu gehört die Abschaffung der ZVS und der Kapazitätsverordnungen. Dazu gehört aber vor allem ein neues Finanzierungssystem."
Leistung muss sich also lohnen - auch für eine Hochschule, die begehrte Studienplätze anbietet. Wettbewerb stärke automatisch auch die Qualität der Lehre, glaubt Frau Pieper - zumindest, wenn sichergestellt sei, "daß die Studienentgelte in voller Höhe bei den Hochschulen verbleiben. Würden sie den Finanzministern als Gelegenheit zur Minderung der staatlichen Grundfinanzierung dienen, wäre den Hochschulen und dem Bildungsstandort Deutschland ein Bärendienst erwiesen." (Man beachte, dass (oder eben: daß) Frau Pieper die Rechtschreibereform nicht mitgemacht hat).
Am Ende der Mitteilung ein persönliches Bekenntnis, dass alle beruhigen sollte, die Angst vor sozialen Konsequenzen haben: "Ganz wichtig ist mir aber: Niemand darf aus finanziellen Gründen an einem Studium gehindert sein. Deshalb muß es jedem Studierenden unabhängig vom Einkommen der Eltern gesetzlich ermöglicht werden, von den Hochschulen erhobene Entgelte `nachlaufend` zu bezahlen."
Als Chance begriffen die Jungen Liberalen die nachgelagerten Studiengebühren schon gestern. Heute fordern sie die Länder dazu auf, den zu Mut haben, die Entscheidung über Studiengebühren an die Universitäten weiterzugeben. Diese Mut fordert auch der Fraktionsvorsitzende der NRW-Landtagsfraktion, Wolf. Nachlaufende Studiengebühren forderte ebenso der hochschulpolitische Sprecher der niedersächsischen Landtagsfraktion, Roland Zielke. Zwar hat sich die baden-württembergische FDP, Koalitionspartner der CDU, noch nicht geäußert, aber auch sie plädierte schon vor einem Jahr in einem Grundsatzpapier (versteckt in Punkt 7) für Studiengebühren.
Setzen jetzt studentische Wanderungsbewegungen ein - und der Wettbewerb zwischen den beliebten, aber dann teuren süddeutschen Unis in unionsgeführten Ländern und den kostenlosen Unis im Norden und Osten? Hier Harvard am Necker (Heidelberg), dort städtische Massen-Uni?
Vorerst sind mindestens Studentenproteste zu erwarten - sagen die Mitglieder des "Freien Zusammenschlusses der StudentInnenschaften" FZS. Auf deren Website überschlagen sich die Meldungen. Der Beobachter fragt sich: Kommt jetzt die Revolution von unten? Wird das Erbe der 68er spät, aber dennoch angetreten? Werden aus den nächsten Sitzungen der Gremien die Feuer des Protestes auf die Straßen der großen Universitätsstädte übergreifen? Werden Studierendenräte und -rätinnen jetzt das Unheil abwenden und das Urteil zur Folgenlosigkeit, ähm, verurteilen können?
Ebenfalls schön im Internet vertreten: das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren, ABS (wie das Arbeitersamariterbund oder, viel passender vielleicht: das Bremssystem). Motto: "Alles für alle - und zwar umsonst." Ähm, ja.
Die Würfel sind gefallen, der Richterspruch aus Karlsruhe ist da - auf den ersten Blick haben die Länder gewonnen, auf den zweiten Blick drohen Studiengebühren. Die unionsgeführten Länder sind Gebühren-Freunde, sie haben jetzt die Verfassungswidrigkeit eines drei Jahre alten Satzes aus dem rot-grünen Hochschulrahmengesetz schwarz auf weiß. Der lautete: "Das Studium bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss ist studiengebührenfrei."
Es herrscht also jetzt "gebührende Klarheit", so konstatiert SPON: erstens, die Länder haben in der seit langem umstrittenen Frage der Zuständigkeiten für die Bildungspolitik einen Punktsieg gegen das "sozialdemokratische Sendungsbewußtsein" aus Berlin errungen; schon die Föderalismus-Kommission war ja vorerst am Streit der Bildungszuständigkeiten gescheitert. Und zweitens: der Weg ist frei für Studiengebühren. In Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg werden Studenten bald in die eigene Tasche greifen müssen, bevor sich der Hörsaal öffnet.
Aber genau betrachtet, wird damit eine Praxis ausgedehnt, die in den meisten Ländern bereits für das Zweitstudium und für Langzeitstudenten jenseits der Regelstudienzeit galt. Zwar sind die Länder insgesamt uneinig - es ist damit zu rechnen, dass zunächst in einigen Ländern keine Studiengebühren eingeführt werden.
Wenn die Bildungspolitik der Gradmesser für die innerparteiliche Streitkultur der FDP ist, dann Gute Nacht. Erst empfahl der eine (Philipp Rösler) der anderen: "Pisa hat ja auch etwas mit Lesefähigkeit zu tun. Daher würde ich Frau Pieper bitten, dass sie sich die Beschlüsse der Partei noch Mal genau durchliest", jetzt qualifiziert ein weiterer (Wolfgang Kubicki) die Aussagen eines vierten mit den Worten: "Das sind die Äußerungen eines geistig Verwirrten." Und fügt hinzu, seine Mutter habe Hauptschulabschluss, worauf der vierte antwortet, seine Mutter habe Realschulabschluss. Nun, Kubicki ist im Wahlkampf, und die Äußerungen von Daniel Bahr sind in der Tat äußerst unglücklich.
Natürlich wird Daniel Bahr jetzt gerne und verkürzt zitiert, und schon sehen die ersten hämischen Kommentatoren hier die typische FDP-Denke am Werk. Aber was hat Bahr genau gesagt?
Bild am Sonntag zitierte ihn wörtlich so: „In Deutschland kriegen die Falschen die Kinder. Es ist falsch, daß in diesem Land nur die sozial Schwachen die Kinder kriegen.“ - „Kind und Karriere müssen möglich sein. Deutschland gibt viel Geld aus, um sozial schwachen Familien zu helfen. Die Politik hat versagt, Akademiker bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches zu unterstützen. Eine steigende Geburtenrate allein hilft nicht weiter.“ - „Daß zuwenig Kinder in Akademiker-Familien aufwachsen, führt auch zu Folgeproblemen. Laut PISA-Studie hängt nämlich in Deutschland der Lernerfolg eines Kindes stark vom Bildungsniveau der Eltern ab. Wir brauchen mehr Kinder von Frauen mit Hochschulabschluß als von jenen mit Hauptschulabschluß. Dann stehen wir künftig auch in der PISA-Studie wieder besser da.“ - „Die Steuerklasse V muß abgeschafft werden, damit berufstätige Ehefrauen wirklich Geld auf dem Konto haben. Statt des Ehegattensplittings brauchen wir ein Familienrealsplitting. Damit werden all jene entlastet, die Kinder haben – auch Alleinerziehende.“ - „Die Kosten für Haushaltshilfen sollten in Deutschland bis 12 000 Euro im Jahr absetzbar sein. In Frankreich sind diese Kosten absetzbar. Dort gibt es auch viel mehr Kinder von Frauen mit Hochschulabschluß.“ Außerdem sollten Frauen in Deutschland „früher nach der Geburt wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren“, so der frühere Vorsitzende der Jungliberalen (Julis). „Die deutsche Frist von fünf Jahren ist viel zu lang.“
In der Welt vom Dienstag heißt es dazu: "Im Gespräch mit der WELT verteidigte Bahr seinen Vorstoß. Seine Äußerungen seien verkürzt dargestellt worden. 'Mir geht es um eine inhaltliche Diskussion, wie wir Vereinbarkeit von Familie und Beruf hinkriegen', sagte er. 'Sowohl bei der Frauenerwerbsquote als auch bei der Geburtenrate liegen wir im Ländervergleich weit hinten.' Andere Länder, wie etwa Frankreich und Schweden, machten es auf diesem Feld deutlich besser."
Letztlich legt Bahr den Finger in eine Wunde, nämlich der Vereinbarkeit von Kindern und Karriere. Er verweist auf Studien, nach denen sich rund 80 Prozent der deutschen Studentinnen mindestens ein Kind wünschen. Dennoch seien bei den 1965 geborenen Frauen durchschnittlich 30 Prozent kinderlos, bei den Akademikerinnen zwischen 35 und 39 Jahren in Westdeutschland seien es sogar 44 Prozent.
Westerwelle und Pinkwart verurteilten offenbar die Zuspitzung Bahrs, unterstützen aber sein Anliegen. Ebenso wie Generalsekretärin Cornelia Pieper, die in der Welt so zitiert wird: "Wir sehen eine eklatante Benachteiligung von Akademiker-Frauen und -Männern, die Kinder kriegen wollen."
Was ist von diesem Durcheinander der Vorschläge und Emotionen zu halten? Nichts. Zwar ist das Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig, aber es betrifft nicht alleine die Akademiker. Zwar stimmt das Ausbleiben des Akademikernachwuchses traurig - aber wen denn? Es ist ja Privatsache.
Vollkommen illiberal ist die Vorstellung, die Politik habe "versagt, Akademiker bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches zu unterstützen" bzw. benachteilige Akademiker-Frauen und Männer eklatant, Kinder zu kriegen. Sex geht sogar in Deutschland noch, ohne dass der Staat seine Hand in Spiel hat - oder die Übung extra prämiert, nur weil mehr Semester in Bewegung waren! Völlig inakzeptabel ist auch die Vorstellung, die standesgemäße Vererbung guter Lernleistungen sei kein Problem für das liberale Ziel der Chancengleichheit am Start jenseits der Vererbung, sondern ein guter Grund, mehr davon zu fordern.
Kurz und schlecht: Daniel Bahr ist eigentlich einer unserer Besten. Aber als Sprecher der FDP-Fraktion für demografische Entwicklung darf man sich solche platten Geburtenplanspielchen und Steuerungsphantasien nicht leisten.
Und das ganze dann mit dem Thema Haushaltshilfe zu verknüpfen, macht die Vorschläge zum besten Beispiel dafür, bösartig interpretiert: wie die FDP Klientelpolitik betreibt, wohlwollend interpretiert: wie wenig Gespür sie für die öffentliche Wirkung ihrer Argumente hat, und traurig interpretiert: zu welchen Kosten sie versucht, auf dem Feld der Familienpolitik Aufmerksamkeit für ihre Positionen zu finden.
Das schlechte Abschneiden bei Pisa, die Kinderbetreuung und Kinderfreundlichkeit, die Haushaltshilfenpauschale, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: alles hängt schon zusammen und will integriert betrachtet sein - aber nicht über die Kinderlosigkeit von Akademikern, sondern in der Gesamtvision einer liberalen Bildungsgesellschaft.
Die Jury des Europäischen E-Learning Awards eureleA 2005 hat die Virtuelle Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung (http://virtuelle-akademie.fnst.de) als Finalisten in der Kategorie Associations and Club ausgewählt. Die Preisverleihung findet auf der European E-Learning Gala am 14. Februar 2005 im Zentrum für Kunst und Medientechnologie ZKM in Karlsruhe statt. Die festliche Veranstaltung ist der Auftakt der LearnTec 2005, der Europäischen Fachmesse für Bildungs- und Informationstechnologien.
Das Beispiel zeigt: Innovationen in der Bildung fangen bei uns zuhause in der Stiftung an - Glückwünsche, lieber Herr Fischer & Team!
Guido Westerwelle sagt in einem Welt-Interview folgendes: "Die FDP hat von allen Parteien die unbequemste Botschaft. Das ist unbestreitbar. Wir wollen eine neue Einstellung in Deutschland, die mentale Standortfähigkeit verändern. Wir wollen mehr Freiheit zur Verantwortung. Daß dies in Deutschland für viele bedrohlich klingt, ist bedauerlich."
Warum eigentlich müssen wir uns damit abfinden, dass wir "die unbequemste Botschaft" haben? Weil sie so häßlich ist, wenn man von "mentaler Standortfähigkeit" redet? Warum können wir nicht sagen: "Die FDP hat von allen Parteien die schönste Botschaft. Das ist unbestreitbar. Wir wollen eine Besinnung auf das, was unser Land groß gemacht hat, und das waren die Ideen und die Tatkraft unserer Menschen. Wir wollen, dass die wieder freigesetzt werden"?
Das wäre doch auch ein Motto liberaler Bildungspolitik, oder nicht?
Warum müssen wir Liberalen immer die Technokraten der Veränderung sein - Leute, die sich nur mit der Organisation von Wettbewerb und konservativer Finanzpolitik profilieren? Deren Botschaft für die Bildungspolitik lautet: "Bildungsgutscheine und Hochschulautonomie, und im übrigen ja Ländersache"? Das ist ja alles wichtig, richtig und gut, aber als Botschaft ein totgeborenes Kind. Warum können wir nicht sagen: "Bildung ist die Ausrüstung für ein sinnvolles, glückliches und selbstbestimmtes Leben. Wir wollen, dass Bildung kein Privileg für einige, sondern ein Bürgerrecht für alle ist. Und deshalb müssen wir die Bildungsangebote neu ausrichten."
Die Parteien kommen mir vor wie Handwerker, die die gute, eingelebte und etwas miefige Stube stürmen und über die Renovierung streiten - und zwischendrin hocken die Bürger und sagen: ja aber in durchgesessenen Sessel hier war's doch ganz bequem, der erinnert an Opa, und warum soll denn diese Tapete hier runter? Und die FDP mimt den unbequemsten Handwerker mit den härtesten Botschaften und den radikalsten Veränderungsvorschlägen. Aber warum macht sie es nicht wie Bundespräsident Köhler, der sich als kommunikationsfähiger Innenarchitekt erwiesen hat, wenn er in seinen Reden sagt: "Wir wollen eine bessere Gesellschaft bauen. Und besser geht es uns, wenn wir die Wohnung etwas aufhellen, mehr durchlüften, ein, zwei zusätzliche Fenster einbauen. Und das Gästezimmer besser pflegen. Und wir machen das, weil wir dadurch mehr Freiheit für mehr Menschen schaffen, und weil Freiheit für jeden zu einer gerechten Gesellschaft führt."
Reden wir nicht länger über den Preis, reden wir über den Mehrwert der Freiheit!
Bildungspolitik findet ihren Widerhall in der Familienpolitik - allerdings nur als Abruck und Ahnung, wie hier in dieser Mitteilung der familienpolitischen Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Ina Lenke. Man könnte noch deutlicher machen, dass es um ein flexibles Zeitarrangement geht, damit Eltern Zeit für ihre Kinder und Zeit für ihre Bildung haben.
Als Liberale glauben wir ja zunächst mal, dass Kinder in ihrer Familie "besser" erzogen werden als in Bildungseinrichtungen. Ist das eigentlich aus empirischer Sicht notwendigerweise so? Oder ist das eine normative Position angesichts unübersichtlicher Ergebnisse? Wie steht's mit der berühmten Frage nach den Kita-Kindern im Osten? Eine spätere Mitteilung von Ina Lenke scheint ja den Ausbau der Kindertagesbetreuung zu unterstützen. Wie verträgt sich das mit ihrer Forderung in der ersten Mitteilung nach weniger Staat?
2005 ist nicht nur "Schiller-Jahr", sondern auch "Einstein-Jahr" und das "internationale Jahr der Physik".
Es gehört ja zum guten Ton, zur Allgemeinbildung kulturelles und gesellschaftspolitisches Wissen zu zählen - naturwissenschaftliches Wissen dagegen hat den Status einer "Wissenschaft, die Wissenschaft und nicht Kulturgut" ist. Die wenigsten haben deshalb eine Vorstellung davon, was unter Einsteins Relativitätstheorie (allgemein oder speziell) zu verstehen ist. Dabei ist sie grundlegend für ein angemessenes Raum- und Zeitverständnis!
Als TIME Magazine Albert Einstein zur "Person of the Century" erhob, begründete sie das einerseits damit, dass noch in hunderten von Jahren sein Name aus der Zeit herausragen würde - der Newton, der Ptolomäus seiner Zeit. Andererseits, so argumentierte TIME, sei das 20. Jahrhundert auch das Jahrhundert der Wissenschaft gewesen, und alle großen Entdeckungen - die Atombombe, die Urknall-Theorie, die Quantenpysik und die Elektronik-Industrie (bis hin zu den Global Positioning Systems, die heutzutage Einzug in die Autos halten) - trügen den Stempel seines Namens.
Und Einstein war nicht nur so etwas wie der erste Popstar der Wissenschaft, sondern überhaupt einer der ersten zivilen Helden einer globalisierten Welt. Für die universale und transnationale Gemeinschaft der Wissenschaft, der scientific community, ist Einstein einer der großen integrierenden Figuren - ein Beispiel für all jene, für die Argumentation, rationaler Diskurs und Wahrheitsbezug, aber auch Intuition, ja: das Denken in der Einheit der Genauigkeit und der Vielfalt der Gedanken und Assoziationen zu den entscheidenden Eigenschaften des Menschseins zählen.
Und Einstein war ein politischer Mensch, ein Öffentlichkeitsgenie, der sich für seine Ideale ebenso einsetzte, wie er den Zorn der Reaktion zu spüren bekam. Und Albert Einstein war auch ein deutscher Jude, der sein Heimatland verlassen mußte, ein Flüchtling vor dem Totalitarismus und der Ideologie.
Eigentlich ein atemberaubender Mensch! Dürfen wir ihn, den Humanisten und Wissenschaftler, den Flüchtling und den Weltbürger, den Physiker und Friedensaktivisten, den Patentbeamten und Professor zu den Liberalen zählen?
Schiller hat wieder Freunde - und sie versammeln sich hier in einer yahoogroup, um "Schiller (wieder) zu entdecken als großen Denker der Freiheit!" Dahinter stecken hauptsächlich Naumann-Stipendiaten, entschlossen, als erstes Safranskis Schiller-Biographie zu lesen, um sich dem Idealisten persönlich anzunähern. Es ist ja Schiller-Jahr... zum mitdiskutieren einfach eine leere mail an schillers_freunde-subscribe@yahoogroups.de schicken!
Auch der "Bundesfachausschuss für Bildung, Wissenschaft, Forschung u. Technologie" der FDP hat eine Art eigene homepage mit Links zur Beschlußlage.
Zitat: "Angesichts der jüngsten PISA-Ergebnisse ist [die Vorsitzende] Ulrike Flach davon überzeugt, dass gerade der Bfa Bildung und Forschung gefragt ist. Ihrer Ansicht nach muss ein Bfa theoretisch fundiert "das programmatische Profil der Partei schärfen, Debatten voran treiben und Lösungsansätze anbieten." So seien die Liberalen nicht zuletzt durch die Debatte über die zukünftige Finanzierung der Bildung ein gutes Stück vorangekommen. Mit Blick auf die kommenden Bundestagswahlen in 2006 macht sie deutlich: "Eine so bildungs- und wissenschaftsorientierte Partei, wie es die FDP ist, braucht programmatische Vordenker, die auch problematische Debatten nicht scheuen und die Position der FDP weit vor der politischen Konkurrenz sichern."
Liebe Frau Flach, dann müssen wir über mehr debattieren als über die Finanzierung. Organisation und Finanzierung sind ja wichtige ordnungspolitische Themen, aber wenn das alles ist, worüber wir uns einen Kopf machen, dann bleibt's beim Technokraten-Image der Liberalen! Wo bleibt der Zugang zur gefühlten Mitte, zu den Herzen der Menschen?
Der BAK Bildung der JuLis hatte zu Zeiten von Petra Pabst einen schönen und informativen Webauftritt, der zwar seit drei Jahren kein update mehr erfuhr, aber dennoch interessant ist. Und hier die Diskussionsliste des BAK-Bildung, zumindest die alte, beinahe tote... http://de.groups.yahoo.com/group/bak-biku/ .
Mit dabei übrigens: ein Freiheitstest, den, wenn ich nicht ganz an Altersdemenz leide, in aller Unbescheidenheit yours truly vor vielen vielen langen Jahren einmal für die JuLis Baden-Württemberg entworfen hat.
Spiegel Special: Student 2005 - mit einigen bemerkenswerten Beiträgen, wenn man sich das Inhaltsverzeichnis anschaut...
Am 20. Februar kommt es im Norden zum High Noon - zur "Entscheidung über die zukünftige Ausrichtung unseres schulischen Bildungssystems". Dann nämlich wird in Schleswig-Holstein gewählt. SPD-Ministerpräsidentin Simonis will die "Einheitsschule" bis zur 10. Klasse einführen, die FDP ist strikt dagegen.
Zitat aus der Meldung vom FDP-Server:
"Die Nordliberalen lehnen die Planspiele für eine rot-grüne Einheitsschule kategorisch ab. Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Ekkehard Klug, unterstreicht, dass die "Einheitsschule" statt einer wirksamen Lösung weiteren Bildungsabbau bringe. Statt für bessere Unterrichtsangebote in den Schulen zu sorgen, "nehmen SPD und Grüne Zuflucht zu einem Organisationsmodell, das nichts von dem, was es verspricht, halten kann", kritisiert Klug. FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki erklärt, dass die Schüler in Schleswig-Holstein nicht so schlecht dastünden, weil sie im dreigliedrigen System lernten, sondern weil soviel Unterricht ausfalle. Im Rahmen einer neuen Postkarten- und Internetaktion setzt sich die FDP Schleswig-Holstein jetzt mit der rot-grünen Einheitsschule pointiert auseinander."
Man würde sich natürlich auch mal eine pointierte Auseinandersetzung mit den Grundsätzen der eigenen liberalen Bildungspolitik wünschen - die Organisationsfrage kann erst dann beantwortet werden!
Was beim posting drunter (Noten für die "Bildungspolitiker") noch auffällt: kein einziger Liberaler ist unter den Ministern. Die Zeiten, in denen es liberale Bildungsminister oder liberale Wissenschaftsminister gab, sind vorbei. Für "liberale Bildungsminister" gibt es 27 google-hits, für "liberaler Bildungsminister" bzw. "liberale Bildungsministerin" je 1, und viele der 34 hits für "FDP-Bildungsminister" gehen auf die desaströse Leistung von Rudolf Lange in Hamburg ein - stellvertretend hier ein Transkript einer "Panorama"-Sendung des ARD, leider auf einem SPD-Server. Lange war offenbar in jeder Beziehung der letzte liberale Bildungsminister - wenn man von seinem Nachlassverwalter Reinhard Soltau absieht, der nur ein paar Wochen im Amt war.
Bemerkenswertes Zitat aus dem Wahlkampf mit dem Hamburger Spitzenkandidaten Konteradmiral Rudolf Lange von Guido Westerwelle am Rande: “Etwas militärischer Zug, das täte der Politik in Hamburg äußerst wohl, gerade beim Thema innere Sicherheit.” Tja, Lange sollte Innensenator werden und mit militärischem Zug die Innenpolitik organisieren. Das durfte ähnlich stramm dann doch Ronald Schill tun, und Lange musste Bildungspolitiker werden. Oh weh!
OK, Zeit für ein Geständnis: ich blogge ziemlich viel von SPON - Spiegel online für die Nichteingeweihten. Und dieser Link hier macht keine Ausnahme: ein Ranking der "Bildungspolitiker" steht an, leider nur der Minister - der Länder, selbstverständlich, wir sind ja föderal organisiert, und leider doch nur, beim genaueren Hinsehen auf den Seiten des Hochschulverbandes, der "Wissenschaftsminister".
Denn Kultus- oder Bildungsminister sind nochmal was anderes. Bildungspolitik kommt in den Ländern nicht aus einer Hand oder einem Hirn, sondern aus zwei Häusern!
Über Schillers Idealismus schrieb Rüdiger Safranski: "Aus dem Obduktionsbefund [des innerlich total zerstörten Schiller, C.G.] läßt sich die erste Definition von Schillers Idealismus ablesen: Idealismus ist, wenn man mit der Kraft der Begeisterung länger lebt, als es der Körper erlaubt. Es ist der Triumph eines erleuchteten, eines hellen Willens."
Ein Idealismus, der auch die Toten weckt - in naher Zukunft sogar das Literarische Quartett, das sich zu Schillers Ehren sonder-sendet!
Auf dem 3. politischen Salon der Naumann-Stipendiaten in Stuttgart sprach der Soziologe Prof. Eugen Buß kürzlich über "Amerika - Leuchtfeuer einer modernen Zivilgesellschaft". Dabei kontrastierte er den "leistungsfeindlichen Individualismus" Deutschlands mit dem "leitstungsfreundlichen Individualismus" in den USA. Teil der Kritik am deutschen Individualismus: er sei unpolitisch. Seine These: das führt sich auch auf Schiller zurück, den wir gerade begonnen haben zu lesen, sowie auf das Bildungsideal von Humboldt. Beide gelten als Liberale, aber auch die Kritik von Prof. Buß kommt im liberalen Gewand daher - was denn nun?
Hier die Ausführungen von Prof. Buß im zugrunde gelegten Text:
"Der deutsche Individualismus ist im Vergleich zu Amerika wettbewerbs - und leistungsfeindlich. Der deutsche Individualismus ist im Kern an die Schillersche Bildungsidee, bzw. den Humboldtschen Bildungsbegriff gekoppelt, d.h. Individualismus verstanden als persönliche Selbsterziehung, frei von politischen Implikationen und öffentlicher Verantwortung. Im spezifisch deutschen Individualismus geht es darum, daß der Mensch sich selbst zum Zweck der Bildung macht, also nicht lernt um einer künftigen materiellen Gegenleistung willen. Letzteren nennt Schiller in seiner berühmten Jenaer Antrittsvorlesung den „Brotgelehrten“, während der um seiner selbst willen Lernende der philosophische Kopf ist. Sich selbst zur Persönlichkeit heranzubilden, das schafft Sinn in einer Welt, in der die Religion als Sinnressource sich weitgehend erledigt hat. Im Vordergrund steht die Idee eines Individuums als einer Art unverwechselbaren Kunstwerks. Für die Deutschen heißt Individualismus nicht, im Wettbewerb zu bestehen, sondern eine besondere Art der Selbstkultivierung zu entwickeln, gebildet nach einer inneren Logik der Erziehung und gerichtet auf eine Art persönliche Selbstvervollkommnung. In Deutschland dominiert von der Idee her ein Individualismus der Selbstkultivierung, in Amerika herrscht dagegen ein Individualismus der Selbstbewährung.
Die Folgen sind augenscheinlich: Im Werte-Ranking der Deutschen stehen Wettbewerbs – und Leistungswerte nicht unangefochten an der Spitze. Der bis in die Nacht tätige Spitzenmanager ruft eher Mitleid als Anerkennung hervor. Noch gravierender ist der Umstand, daß die Wettbewerbsethik tendenziell erodiert. Die Deutschen würden am liebsten so wie Himmelskörper ihre Bahnen ziehen, ohne sich gegenseitig ins Gehege zu kommen. Wo immer widersprüchliche Interessen der deutschen Gesellschaft aufeinanderprallen, besteht die Tendenz, autoritäre oder staatliche Lösungen zu suchen und den Wettbewerb zu umgehen. Habermas hat recht, wenn er den Unterschied zu Amerika auf die Formel bringt: alles in allem dominiert in Deutschland eher der Staat als der Wettbewerb."
Überaltert, überlastet, frustriert und aufgerieben - und überbezahlt?
Daniela Peterhoff schreibt mir eine mail zu diesem Link: "Ich habe mir mal deinen Blog angesehen – klasse. Den Abschnitt „Der deutschen Lehrer im Spiegel der Statistik“ finde ich aber kontraproduktiv und extrem populistisch, da er einen wichtigen Einfluss auf die Wirksamkeit von Lehrpersonen nicht thematisiert – nämlich das Image des Berufes. Warum sind deutsche Lehrer denn so veraltet? Warum möchte kaum noch jemand den Beruf des Lehrers ergreifen? Wenn junge, gut ausgebildete Menschen ständig mit derartigen Statistiken konfrontiert werden, die nur noch das muffige und abtrünnige des ehrerdaseins vermitteln, dann ist es kein Wunder, dass sich so wenige dieser jungen Menschen zu einem Lehramtsstudium entschließen. Dann hilft auch nicht mehr das typische Lockargument der dringend fehlenden Lehrkräfte bzw. des Berufes mit Zukunft aus deinem Beitrag „Lehrer wird nimmer, leerer wird’s immer“. "
Weil sie Recht hat, sei das hier eingefügt.
Das Lehrerzimmer wird zum leeren Zimmer - dabei sollte es sich doch lohnen, eine Lehrerausbildung anzufangen. Denn in den nächsten zehn Jahren wird 40 % des bestehenden Lehrkörpers ausgetauscht. Oder nur weggeschnitten - die Unterversorgung des Unterrichts mit Lehrenden nimmt zu, wo die Zahl der Lehrer abnimmt. Jede 10. Schulstunde falle aus, behaupten die Lehrerverbände. Und nach einer Untersuchung der Uni Duisburg-Essen wurden 2004 bundesweit nur 22.700 neue Lehrer eingestellt wurden, obwohl es 31.000 gebraucht hätte, um allein die Ruheständler abzufangen. Innovativ wirkt da immerhin der Vorschlag des Vorsitzenden des Philologenverbandes, auch Quereinsteigern die Lehrerlaufbahn zu öffnen.
Du hast ein akademisches, privates, politisches oder sonstiges Projekt am laufen, dass zum Jahresthema passt? Du beschäftigst Dich in Studium, Promotion, Freizeit oder Beruf mit Aspekten des Jahresthemas? Sagen wir, mit der Geschichte von Bildungsvereinen, mit neuen pädagogischen Konzepten oder mit Hochschulreform und Wissenschaftspolitik? Hättest Du Lust, Dein politisches oder akademisches Interesse mit stipendiatischer Bildungsarbeit und inhaltlicher Diskussion zu verbinden? Konkret etwa, indem Du eine empirische Untersuchung der Stipendiatenschaft als lernende Gemeinschaft unternimmst, Konzepte selbstorganisierter Bildung entwickelst oder einfach Dein Wissen, Deine Ideen und Deine Arbeit anderen Interessierten zur Verfügung stellst? Oder Du kennst jemanden, der sich zum Thema einmischen sollte...? Bitte einfach bei christopher.gohl@gmx.net melden oder hier im Blog antworten.
Zur liberalen Bildungsgesellschaft mitdiskutieren? Ganz einfach:
- hier eine Antwort auf blogs schreiben (comments...),
- einen eigenen blog eröffnen (geht ganz einfach in drei Schritten)
- oder aber Mitglied der mailing-Liste des Arbeitskreises Bildung der Stipendiaten (ag-bildung@yahoogroups.de) werden. Diese Liste steht als Forum für die Diskussion des Jahresthemas "liberale Bildungsgesellschaft" zur Verfügung. Wer sich beteiligen oder einfach mitlesen möchte, ist herzlich eingeladen. Zur Anmeldung für die Liste sende eine E-Mail an "AG-Bildung-subscribe@yahoogroups.de oder an matthias.uebelhoer@t-online.de (Moderator der Liste). Danke an Matthias und den AK B für diese Einladung und hoffentlich wird das zahlreich genutzt wird!
„Globalisierung und autonome Entwicklung III: Zukunft der Hochschule“ - so hieß ein Seminar des AK Bildung in der Theodor-Heuss-Akademie im Rahmen der Inter-AK-Reihe zur Globalisierung. Es beschäftigte sich mit Bildungswettbewerb, der Finanzierung der Bildung und dem Nutzen von "Nicht-mainstream-Studiengängen", zog einen Vergleich zwischen Diplom und Master/Bachelor und thematisierte die Forschungsorganisation in Deutschland.
Prof. Friedrich Wilke, wissenschaftspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion NRW gab in seinem Vortrag Einblicke in die Austauschbeziehungen zwischen Wissenschaft und Hochschule und warnte vor den Steuerungsfantasien der Politik. Dass die Umsetzung guter bildungspolitischer Absichten nicht nur von Parteitaktik, sondern auch an Ziellosigkeit und Ungenauigkeit leidet, wurde auch im Beitrag von Alt-Stipendiatin Andrea von Kopp deutlich. Ziellosigkeit aber auch unter den Studierenden - der Bogen zwischen Studienfachwahl und Berufswahl wird überhaupt nicht gespannt, so weitere Vorträge von Stipendiat Björn Sjut (Projektleiter des Medienstudienführers) und Wolfgang Wintermeyer, Dekan der privaten Uni Witten-Herdecke. Kooperationspotentiale zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gebe es auch bei der Grundlagenforschung, so Ernst Rietschel, Vize-Präsident der Leibniz-Gesellschaft. In welchen gewaltigen Transformationsschüben die akademische Bildung derzeit steckt, machte Klaus Landfried, ehemaliger Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, deutlich.
Nachfragen bei matthias.uebelhoer@t-online.de.
- diese Auffassung vertrat zumindest Silke Morche bei ihrer Kandidatur für die Programmatikerin des JuLi-Landesverbandes Berlin. Ihre nachlesenswerte Rede findet sich hier - Achtung, doc-Format!
"Freiheitsfähigkeit zu erzeugen, das war sein Programm", behauptet Rüdiger Safranski von Friedrich Schiller und schrieb das Buch "Schiller oder die Erfindung des deutschen Idealismus", das es jetzt bei der Bundeszentrale für politische Bildung für sage und schreibe nur 4,- Euro gibt!
Solche Subvention ist fast unverschämt, und auch wenn der Zweck nicht alle Mittel heiligt, ist der pragmatische Ratschlag an alle Stipendiatinnen und Stipendiaten, sich dieses Buch jetzt zuzulegen und mitzulesen. Alt-Stipendiat Lutz Hager hatte kurz vor Weihnachten alle Interessierten eingeladen, das Schiller-Jahr 2005 Schiller-lesend zu verbringen und mit Safranski's vielgelobtem Werk zu beginnen. Eine yahoogroups soll in Kürze für die Diskussion eingerichtet, und Safranski könnte selbst zu einem Seminar eingeladen werden, um die Biographie und Freiheit und den Schiller nochmal in dialogischer Auseinandersetzung aufleben zu lassen. Mitlesen lohnt!!
Es geht auch anders: inhaltlich. Birgit Homburger macht's vor und zeigt, wo's langgeht!
Zitat aus Spiegel Online: "Gegen Piepers Bildungspapier war kürzlich vor allem die westdeutsche FDP in Stellung gegangen. Ihre Vorschläge waren von der baden-württembergischen Landesvorsitzenden Birgit Homburger in einem gemeinsam mit anderen Landespolitikern verfassten Papier zurückgewiesen worden. Die FDP in Baden-Württemberg wolle "keine Vereinheitlichung, sondern kreative Vielfalt im Bildungswesen und deshalb einen Wettbewerb der Bundesländer um die beste Bildungspolitik", hatte es in Homburgers Papier geheißen. Rufe nach Einheitlichkeit und Bundeskompetenzen seien überholt.
Homburgers Papier richtete sich insbesondere gegen Vorstellungen Piepers, statt der Kultusministerkonferenz (KMK) einen nationalen Bildungsrat einzurichten. Pieper möchte dem Bund damit mehr Einfluss in der Schulpolitik einräumen. Homburger schlug stattdessen weniger Staatseinfluss an Schulen und Hochschulen vor. Sie forderte die Abschaffung der KMK in ihrer bisherigen Form. Regelmäßige Tagungen der Schul- und Hochschulminister könne es zwar weiterhin geben. Doch müsse das Ständige Sekretariat der KMK aufgelöst werden. Auch die Bund-Länder-Kommission zur Bildungsplanung sollte nach den Vorstellungen der Südwest-Liberalen abgeschafft werden. Schulen und Hochschulen sollten mehr Autonomie bei Personalauswahl, Bezahlung, Budget und Organisation bekommen. Der Beamtenstatus für Lehrer könne wegfallen."
Gute organisatorische Vorschläge... aber warum gelingt es uns Liberalen immer so gut, nur als Technokraten aufzufallen? Wie erreichen wir über die Bildungspolitik auch die gefühlte Mitte, die Herzen der Menschen?
Deutliche Worte: "Pisa hat ja auch etwas mit Lesefähigkeit zu tun. Daher würde ich Frau Pieper bitten, dass sie sich die Beschlüsse der Partei noch Mal genau durchliest", kommentierte der niedersächsische Fraktionschef der FDP, Philipp Rösler, das Ansinnen der FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper, dem Bund mehr Kompetenzen in der Bildungspolitik zu geben. Der junge Dr. Rösler (31) hat sich auch schon mal philosophischer zur Bildungspolitik geäußert.
"Das Beharren der Länder auf einer zersplitterten Bildungslandschaft schädigt den Standort Deutschland" - diese Ansicht der Generalsekretärin, die in den Medien regelmäßig präsent ist, weil ständig ihr Rücktritt gefordert wird, ist offenbar ein No-No unter dem Rest der Liberalen. Pieper will Zuständigkeiten des Bundes bei der Zulassung und den Abschlüssen sowie bei den Qualitätsstandards und einen nationalen Bildungsrat schaffen, der die Bildungspolitik von Bund und Ländern koordiniert. "Bildung muss endlich ein zentrales Zukunftsprojekt der gesamten Gesellschaft werden", sagte sie kürzlich in einem längeren Statement.
Erfreulich wäre, wenn es Liberalen gelänge, einmal gründlich die Aufgaben und Herausforderungen liberaler Bildungspolitik zu diskutieren - und erst dann neue Institutionen und Räte zu gründen, Rücktritte zu fordern oder pampig zu werden. Wichtig ist zunächst nicht, wer zuständig ist, sondern für was der Staat überhaupt zuständig sein soll, und was für den Einzelnen wünschenswert ist!
Am 26. Januar entscheidet das Bundesverfassungsgericht, ob das Studiengebührenverbot des Hochschulrahmengesetzes nichtig ist oder nicht - und es sieht ganz danach aus, dass es kippt; gut so, was sollen diese ideologischen Regelungen!
Aber wie geht's dann weiter? Die brandenburgische Kultusministerin Wanka, gleichzeitig Vorsitzende der berüchtigten Kultusministerkonferenz KMK, will "im Interesse der Studierenden und des Hochschulwesens" einen "Rückfall in Kleinstaaterei" verhindern und schlägt eine bundesweit einheitliche Regelung zur Studienfinanzierung mit Darlehen vor.
Einerlei: die Kur der Symptome ist zweitrangig. Studiengebühren dürfen kein ideologisches Tabu sein - aber solange damit überfüllte Hörsäle, professorales Halbgöttertum, ein gähnender Mittelbau, unterbeschäftigte Sekretärinnen mit Beamtenstatus und ineffiziente Verwaltungsstrukturen finanziert werden, sollte man Studiengebühren erst gar nicht als quick fix eines kaputten Systems einführen.
Nicht nur simpler Menschenverstand, auch die Pisa-Studie zeigte, dass soziale Herkunft den Bildungserfolg beeinflußt. Jetzt gibt es eine neue Studie des Bildungsforschers Andreas Frey über Kinder im Vorschulalter. Ergebnis: Kinder mit wohlhabenden Eltern haben einen deutlichen Entwicklungsvorsprung. Die soziale Öffnung des Bildungssystems führt jedenfalls nicht zum Ende von Klassenunterschieden.
Ralf Witzel, junger FDP-Abgeordneter des Landtags in NRW, reagierte Mitte Dezember darauf mit einer kleinen Anfrage an die Landesregierung, in der es heißt: "Wir brauchen keine Gleichmacherei und keine Einheitsschule, sondern eine Bildungspolitik, die bei der Eröffnung von Entwicklungschancen auf Leistung anstatt auf soziale Herkunft setzt. Mehr Leistungsbezug ist zugleich die beste Sozialpolitik."
Aber ist es nicht naiv, "auf Leistung anstatt auf soziale Herkunft" zu setzen? Denn die Tragik liegt ja darin, dass soziale Herkunft die schulische Leistung beeinflußt. Natürlich will niemand "auf Herkunft setzen" - aber Tatsache scheint ja zu sein, dass man den Einfluß der Herkunft offenbar auch nach über drei Jahrzehnten liberaler Bildungsreformen nicht hat eliminieren können. Und man wird ihn leider auch nicht eliminieren können, indem man jetzt "auf Leistung setzt" - zumindest, wo die Leistung der Schüler, nicht das Schulsystem gemeint ist.
Liberale müssen sich fragen:
- Ist die Herstellung von Chancengleichheit utopisch? Wenn nein, wo liegen die Fehler? Wenn ja: sollte sie als politisches Ziel nicht ganz aufgegeben werden?
- Wie misst man denn Chancengleichheit - im Kindergarten, bei Schuleintritt, im Alter von 10 Jahren oder 12? Immer wieder? Oder, was nahe liegt, am Einzelnen - ja aber: wie denn?
- Ist Bildungspolitik auch Sozialpolitik - oder sollte sie es sein? (Ist die Vergabe des Stipendiums Sozialpolitik? Bei uns offiziell nicht, in anderen Stiftungen schon.)
(aus freiraum 4/04)
Das Bild der Bildung ist das Gesicht der Gesellschaft. Alle Ängste, jede Hoffnung, alte Werte und neue Moden sind dort abzulesen. Festgeschrieben steht da das Verhältnis des Einzelnen zu Gemeinschaft und Gesellschaft, zum eigenen Leben und seinen Möglichkeiten. Das Bildungssystem ist der zentrale Spiegel der sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Systeme, und es ist das Gütesiegel, das uns allen anhaftet.
Mit der Bewerbung um ein Stipendium bei der Friedrich-Naumann-Stiftung aber hat jeder von uns seine eigene Bildungsbiographie in die Hand genommen. Ob bewußt oder unbewußt, ist das eine Entscheidung gewesen, die eigene Persönlichkeit auf eine bestimmte Art zu fordern und zu formen, nämlich durch die Erfahrungen in der liberalen Bildungsarbeit. Das Privileg dieser Bildungsarbeit ist es, dass wir sie zum großen Teil selbst bestimmen können. Das ist nicht selbstverständlich. Denn die meiste Zeit unseres Lebens sind wir im Bildungssystem von anderen nach derem Bilde „erzogen“ worden.
Diese Verhältnisse sind es, die den Rahmen für unser 1. Jahresthema „Visionen einer liberalen Bildungsgesellschaft“ aufspannen. Der Sprecherrat lädt Stipendiaten und Alt-Stipendiaten ein, in einen gemeinsamen Lernprozess einzusteigen, der den Wandel der Zeit, den Zustand der Gesellschaft, liberales Bildungs-Denken, uns selbst als lernende Gemeinschaft und jeden von uns individuell thematisiert. Teilnehmen kann jeder, der Lust hat, mitzudenken oder gar mitzumachen.
Gelegenheiten dafür wird es reichlich geben. Nach der Eröffnung des Jahresthemas durch die Ideenwerkstatt bietet der Sprecherrat weitere Veranstaltungen mit dem Crescendo-Programm zum Heidelberger Schloß-Ball, einer programmatischen Ferienakademie im Mai und natürlich mit dem Konvent im Juli an. Auch die Stiftung und die Jungen Liberalen haben sich entschieden, Bildung in 2005 zu einem Schwerpunkt zu machen. Ein Newsletter sorgt für kontinuierliche Kommunikation, der AK Bildung hat alle Interessierten auf seine Diskussionsliste eingeladen (AG-Bildung-subscribe@yahoogroups.de). Und, nur als Beispiel, VSA-Mitglied Lutz Hager hat zur gemeinsamen Lektüre der Schiller-Biographie von Rüdiger Safranski aufgerufen. Eigene Ideen sind willkommen! Der erste Versuch, ein Jahresthema zu fahren, ist notwendigerweise ein Experiment – wir sind gespannt auf die Ergebnisse!
Die Bildungsdebatte in Deutschland ist ideologisch verdorben, wenn nicht auf den PISA-Schock reduziert. Leitbilder wie „Wissensgesellschaft“, „Informationsgesellschaft“ und „lebenslanges Lernen“ wabern durcheinander. Und Liberale scheinen oft nicht mehr anbieten zu können als den Ruf nach mehr Autonomie für die Hochschulen und nach Bildungsgutscheinen.
Wir brauchen jetzt eine ehrliche Diskussion darüber, wie unsere Gesellschaft Wissen und Bildung vermittelt. Was lehren uns Wissenschaft, kulturelle Tradition und Praxis über erfolgreiche Lernmodelle, über verschiedene Formen von Wissen und Kompetenzen? Woher kommt die „Freiheitsfähigkeit“ des Einzelnen, die Friedrich Schiller anstrebte? Wie können wir Ressourcen, Gelegenheiten und Freiräume gesellschaftlich und institutionell so organisieren, daß sie ein individuelles und bedarfsgerechtes lebenslanges Lernen ermöglichen – auch für uns Stipendiaten und VSA‘ler? Sollte Bildungspolitik Gesellschaftspolitik sein, oder birgt diese Vorstellung illiberale Gefahren? Brauchen wir „Neue Bildungsbürger“, oder ist dieser Begriff völlig verbrannt?
Und was bedeutet das alles für die liberale Bildungspolitik? Werden wir es schaffen, in einem lernenden, dezentralen Dialog Visionen eines gesamtheitlichen Panoramas der liberalen Bildungsgesellschaft zu erarbeiten? Können wir die Früchte unseres Lernprozesses an andere Liberale weitergeben? Kann das Jahresthema einen echten Unterschied für Stipendiaten und Alt-Stipendiaten, für die liberale Diskussion und für liberale Akteure machen?
Genau einen Hit ergibt die Google-Suche nach dem Ausdruck „liberale Bildungsgesellschaft“ zum 1. Dezember - gefunden in einem Dokument zu unserem Jahresthema, das auf dem VSA-Server liegt. Wir werden mitzählen!
Für den Sprecherrat Christopher Gohl
Mit Wissen, Lernen und Können sind in unserem Untertitel drei Schlüsselbegriffe unserer Zeit angesprochen. Unsere Welt verändert sich rasant. Wissen, Können und Lernen werden für ein menschenwürdiges und gelingendes Leben des Einzelnen entscheidend. Gesellschaften, die am globalen Wettbewerb teilnehmen wollen, stehen vor der Herausforderung, ihr Bildungssystem grundlegend neu zu organisieren.
Mit Schlagworten wie "Informationsgesellschaft", "Wissensgesellschaft" und "Lebenslanges Lernen" hat auch in Deutschland eine aufgeregte Diskussion darüber eingesetzt, wer wann wo wie und von wem welches Wissen erwerben können sollte. Zusätzlich alarmiert von der PISA-Studie und gezwungen von der Finanzknappheit, prallen in dieser Diskussion Menschenbilder, wirtschaftliche Imperative und Erwartungen an Staat und Gesellschaft aufeinander – oft im Panzer der Ideologien.
Ohne Zweifel stellt die Wissens-Bildungsfrage eine entscheidende Zukunftsfrage dar – von der lokalen bis auf die globale Ebene und in einer alternden Gesellschaft für jede Generation auf eine eigene Weise. Manche schreiben, sie sei die neue soziale Frage. Ebenso kann man argumentieren, dass sie die entscheidende wirtschaftliche Frage ist. Über Konzepte wie den Bildungsgutschein und Reformbemühungen im Hochschulbereich geht sie jedenfalls weit hinaus.
Was heißt das aus liberaler Sicht? Die gesamte Angelegenheit verlangt zunächst nach nüchterner Betrachtung. Was lehren uns Wissenschaft, kulturelle Tradition und Praxis über erfolgreiche Lernmodelle? Was ist Wissen überhaupt - woher kommt es, wie wird es aufbewahrt, weitergegeben, verwendet oder auch mißbraucht? In welchem Verhältnis sollten Wissenserwerb und Kompetenzausbildung stehen? Wer braucht wann welches Wissen oder Können?
Dazu kommen Wertentscheidungen: welche Rolle soll dabei der Staat spielen? Was darf man von der Wirtschaft für die Ausbildung erwarten, und was die Wirtschaft von der Bildung? Wo setzt die Bildungspolitik Schwerpunkte? Was bedeutet "geistiges Eigentum", und warum brauchen wir Patente auf Wissen und Können?
Und das alles sollte in eine integrierende Gesamtschau fließen: Wie können wir gesellschaftlich Ressourcen, Gelegenheiten und Freiräume so organisieren, daß sie ein individuelles und bedarfsgerechtes lebenslanges Lernen ermöglichen? Wie sieht die liberale Vision einer lernenden Gesellschaft aus?
Wie kann sich der Liberalismus über eine gründliche Bildungsdiskussion selbst erneuern und zu vernachlässigten Wurzeln finden? Gibt es den Liberalismus nicht nur als politisches, sondern auch als soziales, kulturelles oder gar moralisches Projekt? Woher kommt die „Freiheitsfähigkeit“ des Einzelnen, die Friedrich Schiller anstrebte? Sollte Bildungspolitik Gesellschaftspolitik sein, oder birgt diese Vorstellung illiberale Gefahren? Brauchen wir „Neue Bildungsbürger“, oder ist dieser Begriff völlig verbrannt? Und was bedeutet das alles für die liberale Bildungspolitik?
Und letztlich gibt es darauf auch eine stipendiatische Sicht: wie organisiert sich der Wissens- und Kompetenzerwerb in einer lernenden Gemeinschaft wie der unsrigen? Was bedeutet liberale Bildungsarbeit? Was kann eine liberale Stiftung für die Ausbildung einer liberalen Bürgergesellschaft tun?
„Wissen lernen können!“ kann dabei als programmatische Aussage gelesen werden: es gilt, die Möglichkeiten dafür zu schaffen, lernen zu können und Wissen zu erwerben!
Man bildet sich über die Erfahrungen, die man macht. Wer lernen will, muss also handeln. Zu lernen ist, wie ein Blog die Kommunikation des Jahresthemas "Visionen der liberalen Bildungsgesellschaft: Wissen - Lernen - Können" der Stipendiaten der Friedrich-Naumann-Stiftung unterstützen kann. Gedacht ist es zunächst als öffentliches Notizbuch für Web-Funde; vielleicht wird es später einmal Teil einer größeren Blogger-Diskussion?